236
ſie iſt deren Anfang. Fruͤher oder ſpäter iſt ſie un⸗ ſer Loos auf kürzere oder längere Dauer. Einige werden allerdings plotzlich hingerafft, und die Krankheit verkuͤndet den ſchrecklichen Gaſt nicht zum Voraus;— aber ſolche Ausnahmen gehoͤren nicht in die allgemeine Regel;— und in unſe⸗ rem künſtlichen Daſein— welches vielfach verletzt wird durch die Schädlichkeiten der Gewohnheit— durch die unbekannten Krankheiten unſerer Vorfah⸗ ren— durch die verſchiedenen uebel, welchen alle Menſchen, die geiſtig oder koͤrperlich angeſtrengt ar⸗ veiten, ausgeſetzt ſind— durch die Sorgen der Ar⸗ muth— durch die Ueppigkeit des Reichthums— durch das Nagen der Leidenſchaften— werden zu⸗ letzt irgendwo die Lebensbedingungen angegriffen, und die Meiſten von uns ſind kaum durch die gol⸗ denen Thore des Lebens getreten, ſo drohen ihnen ſchon die erſten Mahnungen der phyſiſchen Vernich⸗ tung.—„Jeder Krankheitsanfall eines lebendigen Weſens iſt fuͤr uns eine Leichenpredigt, und fordert uns auf, zu ſchauen, wie der alte Todtengraͤber Zeit die Erde aufwirft, und ein Grab gräbt, welches un⸗ ſere Suͤnden und unſere Sorgen bedecken wird.“ Das Leben ſelbſt iſt nur ein langes Sterben, und während jeden Kampfes gegen die Krankheit— „werden wir uns des Grabes und der Feierlich⸗ keiten unſeres eigenen Begräbniſſes bewußt. Jeder Tag entzieht dem Tode wieder, was die Nacht,


