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Euer beſter Freund wuͤrde in der That, wenn Ihr ihm die Hälfte von dem erzähltet, was Ihr zu Papier bringt, Euch in das Geſicht gaͤhnen, oder fuͤr einen Narren halten. Wuͤrde es Rouſſeau wohl moöglich geweſen ſein, die thränenvollen Erguͤſſe ſei⸗ ner Réveries einem lebenden Weſen ernſthaft mit⸗ zutheilen?— Hätte Shakespeare die wilden Be⸗ kenntniſſe in ſeinen Sonetten wohl ſeinen Freunden in der„Seejungfer“ vorbringen konnen?— Wür⸗ den wir irgend eine Kenntniß von dem Charakter Milton's in deſſen Jugend haben— von ſeiner glänzenden, kryſtallhellen Reinheit— wenn er den Komus nicht geſchrieben haͤtte?— Die Schrift⸗ ſteller ſind die einzigen Menſchen, welche wir jemals wirklich und genau kennen lernen,— die andern Menſchen ſterben, und ihr Charakter wird bloß oberfläch⸗ lich werſtanden. Allerdings wird, wie ich bereits vorhin bemerkte, von einem Schriftſteller vielſeitigen und fruchtbaren Geiſtes Vieles von ſeinem heiligſten Ich nie ganz entſchleiert,— doch wiſſen wir we⸗ nigſtens, welche Art von Metall in der Mine zu finden geweſen ſein moͤchte, wenn auch noch nicht alle Schaͤtze zu Tage gefoͤrdert wurden.
um nun, was ich bisher entwickelte, zuſammen zu faſſen, ſo iſt nicht allein die gewohnliche Anſicht, daß der Charakter der Schriftſteller ihren Werken nicht entſpreche, weit entfernt, in der Wahrheit be⸗


