17
beſtimmten umriſſe, welche die Blicke der Menge feſſeln, gehoͤren mehr den niederen Schulen der Kunſt an. Wir wollen ein Werk— das groͤßte, welches die Welt in dieſer Schule beſitzt, und in dem die Lebens⸗Aehnlichkeit der Charaktere bis in Fleiſch und Blut dringt— ich meine Tom Jones — mit Hamlet vergleichen. Die Haupt⸗Charaktere in Tom Jones ſind alle ſichtbare, eſſende, trinkende und gähnende Weſen; die im Hamlet ſind dunkel, geheimnißvoll, zerfließend— wir koͤnnen ſie mit den gewoͤhnlichen irdiſchen Bedürfniſſen und Zwecken nicht in Verbindung uns denken— ſie ſind
„Dem Leben gleich— doch leblos— ſchrecklich
anzuſehn, „Wie die Geſtalt, die uns um Mitternacht „Aus der Tapete ſtarr ins Auge blickt.“—
Wer wird aber behaupten wollen, daß die Cha⸗ raktere in Tom Jones beſſer gezeichnet ſind, als die im Hamlet— oder daß zu den hoͤchſten Leiſtungen nach der Wirklichkeit mehr Kunſt erfordert wird, als zu denen der Einbildungskraft?— Es gibt aber manche Perſonen, die im Geheim wuͤnſchen, daß Hamlet eben ſo dicke Waden hätte, als Tom Jones!— Dieſe ſind es auch, welche Lara als ne belhaft tadeln— da gerade dieſe Unbeſtimmtheit dem Gedicht das einzige Intereſſe mittheilte, deſſen es fähig war. Nach ſolchen Kritikern muͤßte Mari⸗ torne's eine gelungenere Schoͤpfung ſein, als
Bulwer's Werke. Taſchenausg. V.


