den Negern ein Lied gehört und plötzlich ging ihm die Erinnerung auf, daß dies das Lied war, welches ihm ſeine Amme geſungen. S hatte einen traurigen Inhalt und eine faſt noch traurigere Weiſe. Eine Negermutter ſingt ihrem Kinde, es ſolle wachſen und ſchöne Zähne bekommen, denn der Herr will das.
Den ganzen Tag ging Roland das Lied nach, er ſprach da⸗ von und ſummte es vor ſich hin, es ſchien ihm die Seele einzu⸗ nehmen. Sein Wiegenlied lag ihm in Gedanken, während er vielleicht doch in den Tod ging...
Lilian an die Profeſſorin.
„Schreibe es ſofort an die Mutter Erichs,“ ſagt mir Roland. So wiſſen Sie denn, verehrte Frau, ich habe ihn gefunden. Die Schreckensnachricht kam zu uns, daß Roland gefallen oder gefangen ſei, ich hielt es nicht mehr aus. Ich wanderte ins feindliche Land. Im Geleite von Bruder Martin— ich meine nämlich Herrn Knopf— wagte ich es, über die Linie zu kommen. Wir waren als Südländer verkleidet, ich trug einen Arm in der Binde, als wäre ich verwundet. Ach! was ſoll ich von den Gefahren erzählen, die wir beſtanden? Herr Knopf kam doch nicht über die Linie, ich kam allein hin⸗ über, Greif war bei mir.
O was habe ich Alles erlebt! Ich bin auf den Schlachtfeldern geweſen, habe Hunderten von Verſtümmelten und Todten ins Antlitz geſchaut. Ich war in Lazarethen, habe das Aechzen, das Wimmern gehört, und nirgends war Roland, nirgends eine Spur.
Weiter und weiter wanderte ich, und ſie haben Mitleid mit mir gehabt, die Entſetzlichen.
Ich habe ihn endlich gefunden. Nein, nicht ich— Greif hat ihn gefunden. In einer Scheune lag er verwundet; er ſah ſo abgemagert und verändert aus, ich hätte ihn kaum mehr erkannt.
Roland ſpricht davon, daß eine Frau in Männerkleidern ihn habe in die Scheune tragen laſſen, er behauptet, es ſei Gräfin Bella geweſen. Ich habe ſie einmal geſehen, als ich noch auf Mattenheim war, ich ſah ſie jetzt— ich glaube, ſie war es— in Männerkleidern auf einem Pferde vorüberſauſen; ſie ſah mich an, ſie mußte mich erkannt haben.
Ich habe Roland einen Kieſel geſchenkt, als wir uns auf
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