Die Sklavenfrage iſt hier noch nicht ſo entſchieden, als wir glaubten. Ihr Reffe meint, daß die gänzliche Aufhebung der Sklaverei eine nothwendige Kriegsmaßregel werden müſſe, der Kampf um den Beſtand des Staates. Der Patriotismus muß ſich mit der Humanität verbinden, die reine Idee mit Nutzen und Nothwendigkeit verſetzt werden; die Logik der Thatſachen bringe eine Entſcheidung, die die Logik der Gedanken nicht ver⸗ mochte. Es gibt auch hier im Norden eine ſtarke Partei, die nicht zu dem einzigen, wie ſie es nennt, extremen Mittel, zur abſoluten Aufhebung der Sklaverei, fortſchreiten will; ſie hofft, nicht durch Aufhebung der Sklaverei, ſondern durch den Krieg den Süden zu unterwerfen.
Wir hoffen, es gelingt nicht. Der Kampf muß ganz durch⸗ gefochten werden. Das Wort Staatsnothwendigkeit, das von den Tyrannen ſo oft mißbraucht wurde, wird hoffentlich auch einmal zur Freiheit führen.
Was muß man hier nicht alles gegen die Neger hören. Daß die vier Millionen Sklaven nahezu zweitauſend Millionen Dollars Gold repräſentiren, ſteht natürlich obenan; daß die Neger viele Laſter haben— als ob die Unterdrückten lauter Tugendmuſter ſein könnten. Jedes Volk, ſo lange in Sklaverei gehalten, ge⸗ peinigt, gemartert und zur Unwiſſenheit verdammt, hätte ſo werden müſſen. Immer hat die Tyrannei die Unterdrückten für niedrige Weſen ausgegeben, natürlich indem ſie verleugnete, daß, was ſie etwa von Niedrigkeit haben, ihnen durch die Unter⸗ drückung aufgeprägt und eingepflanzt wurde.
Ich habe hier einen hock Jabten Neger kennen gelernt und hörte von ihm eine Rede uver Stellung und Zukunft ſeiner Stammesgenoſſen; es war etwas Demoſtheniſches darin, der Mann iſt 22 Jahr lang Sklave geweſen und hat ſich jetzt eine voll⸗ kommene wiſſenſchaftliche Bildung angeeignet.
Manchmal iſt in ſeinem Ton eine zitternde Klage, wie von einem Verſchmachtenden, und ich bewundere, daß er allen knir⸗ ſchenden Zorn niederhält. Wenn ein Einzelner je noch Befreier ſeines Volkes werden könnte, dieſer Mann oder ein Anderer ihm gleicher könnte ein befreiender Held werden.
Aber das Herventhum iſt vorbei, immer und überall. Wir haben nur noch die Solidarität Aller.
Wohl ſehe ich, ſeitdem ich hier bin, nicht nur eingeroſtete


