Teil eines Werkes 
3. Bd. (1869)
Entstehung
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Mitten im Wachſen und Walten der geſchichtlichen Bewegung fühle ich: der Einzelne iſt wie die Zelle am Baum, oder anders: wir ſind wie die Schüler auf der Schulbank, wir kennen den Lehrplan nicht, wir wiſſen die Ziele nicht, zu denen dies Alles führt; heute müſſen wir unſere Aufgabe lernen und es wächſt Zelle an Zelle, reiht ſich Wiſſen an Wiſſen, bis ja, wer weiß das Ende.

Beim erſten großen Kampf, beim Unabhängigkeitskriege der neuen Welt waren von deutſchen Fürſten verkaufte Deutſche, die für die Engländer gegen die Amerikaner kämpften, und wenige freie Deutſche unter ihnen Steuben und Kalb kämpften für die Republik.

Damals ſtanden die Franzoſen der Name Lafayette klingt hell hervor unter den Freiheitskämpfern der neuen Welt voran, heute ſtehen Tauſende von Deutſchen im Unionsheere, ausgewan⸗ derte und ausgeſendete Zeugen. Eingewanderte Franzoſen haben Zuavenregimenter gebildet, ſie werden franzöſiſch commandirt. Als die beſten Truppen gelten aber Irländer und Deutſche.

Ich ſehe den Dichter der Zukunft kommen, ihm ſtellt ſich das große Drama unſerer Zeit der Kampf zwiſchen Cäſarismus und Selbſtbeſtimmung in einer Ausdehnung dar, wie keine Vergangenheit ſie kennen konnte; er drängt den Kampf in dich⸗ teriſchen Bildern zuſammen, Geſtalten, durch Meere getrennt, werden zu Trägern kämpfender Mächte und ringen mit einander.

Es ſind noch nicht hundert Jahre, ſeitdem die Republik der Vereinigten Staaten beſteht. O, wie anders ſieht es hier aus, als wir uns dachten. Ich habe Viele gefunden, die an dem Fortbeſtand der Union zweifeln, ja ein gebildeter Geiſtlicher ſagte mir, es ſei doch wol in der monarchiſchen Verfaſſung mehr Kraft der Dauer. Das iſt das Empfinden der Muthloſigkeit und Ver⸗ zweiflung, die aber, wie ich glaube, nur vereinzelt iſt.

Wie oft muß ich mich hier einen philanthropiſchen Idealiſten nennen laſſen; ſie ſagen mir, ich würde auch bald bekehrt wer⸗ den. Ihr Neffe, der mit großem Blick Alles überſchaut, hat mir das Räthſel gelöſt. Die Menſchen hier haben lange blos für Erwerb und Wohlbefinden gelebt und die Staatspflicht nur zeit⸗ weiſe als Wähler empfunden; ſie müſſen die Schule der Militär⸗ pflichtigkeit durchmachen, jenes Einſetzen des Lebens für den Staats⸗ beſtand, natürlich nur als Schule, um dann wieder frei zu ſein.