Teil eines Werkes 
3. Bd. (1869)
Entstehung
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Nein, ſie iſt ein Jahr älter als ich. Und iſt ſie auch ſchön?

Lilian wartete die Antwort nicht ab, ſie winkte Roland, denn eben lief ein Marienkäferchen an ihrer Hand empor.

Gib Acht, ſagte ſie,jetzt arbeitet es ſeine Flügelchen unter dem Rückendeckel vor und rüſtet ſich mit den verborgenen Flügeln. Hui! fort iſt es. Das wird viel zu erzählen haben, wenn es heimkommt. Ach, wird es ſagen, da iſt ein großes Thier ge⸗ weſen und das hat fünf Bäume an der Hand meine Finger müſſen ihm doch wie Bäume vorkommen, und wenn es dann mit den Seinen zu Nacht ißt Sag', Roland, biſt Du nicht auch hungrig? Ich bin hungrig.

Was macht Ihr da? rief plötzlich eine ſtarke Frauenſtimme. Kommt ins Haus.

Lilian ſagte leiſe zu Roland:

Wir kriegen etwas Gutes zur Nacht, Pfannkuchen mit Schnittlauch. Siehſt Du nicht den Schnittlauch, den die Tante abgeſchnitten in der Hand hält? Der iſt zu den Pfannkuchen.

Sie gingen mit Frau Weidmann ins Haus.

Piertes Capitel.

Während Roland und Lilian im Garten träumend und räthſelnd beiſammen geſeſſen hatten, waren die Männer nach dem Hauſe gegangen. Sie traten in den großen getäfelten Hausflur, wo viele getrocknete Erntekränze hingen. Weidmann zeigte Erich, daß zwei⸗ unddreißig von dieſen Kränzen ihm gehören, denn ſo viel Mal hatte er hier ſchon geerntet. Der einzeln hängende Kranz ſei der fünfzigſte Erntekranz ſeines Schwiegervaters geweſen.

Man ging in die Wohnſtube im Erdgeſchoß. Der Raum war groß und wohnlich, mit behaglichen Sitzplätzen in Fenſterver⸗ tiefungen und da und dort aufgeſtellten Tiſchen und Stühlen.

Im Sommer wohnen wir hier im Erdgeſchoß, ſagte Weid⸗ mann zu Erich,da läßt ſich Alles beſſer überſchauen. Wenn die Blätter von den Bäumen abgefallen ſind, beziehen auch wir unſere Winterreſidenz im obern Stock.