——=—
Fieberträumen auch Maienblumen verlangt und dies die erſten
das begegnet nur Sonntagskindern und Lilian war ein Sonntags⸗ kind. Er wünſchte, daß er etwas thun könnte, um den Kindern dieſe ſchimmernde Romantik einer wunderſamen Begegnung zu be— wahren und zu erhöhen. Aber zum Romantiſchen kann man gar nichts thun, es kommt immer von ſelbſt, unerwartet und über⸗ raſchend, läßt ſich nicht reguliren und rationell anbauen; nur ſtill halten kann man, den Athem anhalten, nichts rufen, ſonſt ver— ſchwindet der Zauber. Knopf that nun doch das Beſte. Er ging davon und ließ die Beiden allein.
Sie ſchauten einander an und ſprachen noch immer nicht. Eine ſchöne rothe Kuh, die eine Schelle um den Hals hatte und einen Kranz zwiſchen den Hörnern, wurde in den Hof geführt. Das Mädchen ging der Kuh entgegen uhd rief, ſie ſtreichelnd:
„Guten Abend, Rothtraut! Biſt Du nun ſtolz, weil Du den Preis gewonnen? Wirſt Du es Deinen Nachbarinnen erzählen? Wird Dir es noch gut daheim ſchmecken oder weißt Du gar nicht, daß Du ſo viel Ehre bekommen haſt?“
Die Kuh wurde nach dem Stall geführt und Lilian ſagte zu Roland:
„Möchteſt Du nicht auch wiſſen, ob die Kuh eine Ahnung davon hat, daß etwas mit ihr vorgegangen iſt?“
Da Roland noch immer nichts erwiderte, fuhr Lilian ernſt werdend fort:
„Willſt Du auch Landwirth werden und beim Oheim in die Lehre eintreten? Wenn ich fort bin, kannſt Du in meinem Zimmer wohnen. Da iſt's ſchön! Warum biſt Du denn nicht früher zu uns gekommen?“
„Ich habe nicht gewußt, wo Du biſt und wer Du biſt,“ konnte Roland endlich hervorbringen..
„Ach ja!“
Und nun erneuerten ſie nochmals die Erinnerung, wie damals Lilian vom Oheim Weidmann fortgeführt wurde und wie Roland weiter wanderte zu Erich. Damals war Frühling, jetzt iſt Herbſt.
Roland erzählte, wie er ſich auf der Reiſe bald ſo einſam und verlaſſen, bald ſo überſelig gefühlt hatte; Lilian hörte ihm mit geſpannten Mienen zu. Seine Stimme wurde immer bewegter. Er berichtete von ſeiner Krankheit, wie ſich ihm da immer die Worte geſprochen hätten: das iſt der deutſche Wald— wie er in ſeinen
— ———


