Teil eines Werkes 
2. Bd. (1869)
Entstehung
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Ich habe Ihnen in der letzten Vorleſung Ach, ich bitte um Entſchuldigung, mein liebes Fräulein, ich ſpreche ja nur zu Ihnen ich habe Ihnen bereits geſagt: auch ich wünſchte, daß ich in ein Kloſter gehen könnte, nachdem ich im Leben draußen müde geworden, einſam bin und nun in der Stille gern das abſchlöſſe, was ich eigentlich ſoll. Ob aber Sie, bevor Sie mit dem Leben fertig, es abthun können, überlegen Sie ſich das recht wohl, denn es kann nichts Entſetzlicheres geben, als mit der Pflicht, beſtändig ſich dem höchſten Gedanken zu weihen, allerlei Unruhe in der Seele zu empfinden. Die Lehre der Ent⸗ ſagung iſt leicht, weil ſie einfach und eine einzige That; die Lehre des freien Thuns iſt ſchwer, ſie muß ſich immer neu und vielfältig an den Zuſtänden bemeſſen. Ich kann das jetzt nicht ausführen, aber nehmen Sie es recht ins Herz, liebes Kind, ich meine es gut, von Herzen gut, ſagte der Mann mit ſtockender Stimme.

Ich weiß es und ich glaube Ihnen, erwiderte Manna. Große Thränen ſtanden ihr im Auge; ſie beugte ſich nieder auf den Blumenſtrauß, den ſie in der Hand hielt, und Thränen fielen in die Blumen.

Roland kam herbei, er zog den Hut ab und der Profeſſor legte

ihm die Hand aufs Haupt und ſagte:

Bleibe brav und denke, daß Du an mir auch einen Freund haſt. Roland konnte vor Rührung nicht ſprechen, er küßte dem Ge⸗ lehrten die feine Kinderhand. Die umher ſtehenden Zuſchauer ſtaunten. Der Poſtillon blies, daß es im Thal und von den Bergen widerhallte. Man verließ den Ort, wo man viel erlebt, aber doch keine Entſcheidung gefunden hatte.

Auf dem Wege wies Roland darauf hin, wie recht Manna habe, da ſie über die Blumenvergeudung geſcholten, denn hier an der Straße lagen überall welke Sträuße und auch friſche, die den Wegreiſenden in den Wagen geworfen wurden und die ſie unter⸗ wegs fortgeſchleudert hatien, ſo daß die Räder über die ſchönen Blumenſträuße dahin gingen.

Manna ſaß ſtill in ſich gekehrt. Sie war nur zur Begleitung der Angehörigen mit ins Bad gegangen, aber Keines hatte eine tiefere Umſtimmung ſeines Weſens erfahren als ſie. Noch wollte ſie es ſich nicht bekennen.

Sie faltete ſtill die Hände und betete.

Man kam zur Eiſenbahn.

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