Teil eines Werkes 
2. Bd. (1869)
Entstehung
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es läge ein großer Anreiz, um das Höchſte zu erringen, im Ge⸗ danken an eine Vergangenheit, die einmal Sklaverei geweſen. Vieles, was an den Juden wunderbar erſcheint, erkläre ſich aus dieſem Einen. Sie waren Sklaven in Egypten, das hat ihnen etwas Großes eingepflanzt, einen Stolz und eine Demuth, eine Ausdauer gegen jegliche Unterdrückung, eine Erkenntniß jeder Rechtsverkümmerung und jedes fremden Leids, und daraus ein Mitgefühl, das ohne Gleichen in der Geſchichte iſt.

Clodwig machte eine Pauſe, dann fuhr er fort:

Ein Jude aber mit Adelswappen, mit Helm und Schild und dem ganzen Krimskrams ſchon der Anblick müßte ihn kränken; denn zur Zeit, als man Helm und Schild trug, waren ſeine Vor⸗ fahren Kammerknechte des Kaiſers und faſt vogelfrei. Ein Jude, der zum Chriſtenthum übertritt, kann dies aus Ueberzeugung voll⸗ führen, weil er, abgeſehen vom Dogma, es als einen Fortſchritt anerkennt, was Jeſus in der Geſchichte der Bildung hervorgebracht. Viele thun es aus Leichtfertigkeit, weil es ihnen zu läſtig iſt und ſie ſich nicht verpflichtet erachten, ein fortgeſetztes Martyrium zu übernehmen für ſich und ihre Kinder. Das Alles mag hingehen, obgleich ſich gegen Religionswechſel noch Vieles ſagen ließe. Aber ein Jude, der adlig wird, iſt ein ſo geckenhafter Anachronismus, wie er nicht ſchärfer gedacht werden kann. In das wachſende und werdende lebendige Bürgerthum eintreten, iſt Recht der Juden und ihre Pflicht. Oder ſoll es auch eine Kette von jüdiſchen Adels⸗ familien geben, die nur unter einander heiraten? Je weiter man darüber denkt, deſto widerſinniger wird der Wirrwarr. Nun aber, ich wollte nicht von den Juden reden und bitte um Entſchuldigung, daß ich mich ſo verirrte.

Wollen wir nicht überhaupt dieſe Erörterung abſchließen? bat Prancken.

Ich bin gleich zu Ende. Nur noch ein Wort, um nicht blos abzubrechen. So laſſen Sie mich noch kurz ſagen, daß ich jede Adelsernennung eines Bürgerlichen, um mich nicht ſchärfer aus⸗ zudrücken, für einen hiſtoriſchen Widerſinn halte. Wer den Bürger⸗ ſtand verläßt, iſt ein Ausreißer, ein Abtrünniger, ich will nicht ſagen, ein Verräther und ein Aberwitziger zugleich, indem er die ſiegende Fahne des Bürgerthums verläßt. Ich weiß, was die Bürgerlichen wollen; ſie wollen den Beſitz an die Familie ketten, Fideicommiſſe gründen, die Söhne von Millionären wollen Junker