Teil eines Werkes 
2. Bd. (1869)
Entstehung
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Sie wollte ſich fortan von dem Profeſſor zurückziehen, aber ſie fand dies ungerecht.

Was hat er gethan, als frei und offen ſich zu ſeiner Ueber⸗ zeugung bekannt?

Sie widmete ſich ihm aus Anhänglichkeit; ſie erkannte, daß dem Manne die Wahrheit, wie er ſie erfaßte, über Alles ging, und daß er jeden Irrthum als das Uebel anſah.

Der Profeſſor geſtand ihr offen, daß er bereue, ihr ſo Fremdes mitgetheilt zu haben, und daß es ihn ſehr ſchmerzen würde, wenn er ihr Gewiſſen beirrt; er bitte nur, ſie ſolle auch an das reine Ideenleben Anderer glauben.

Beide vermieden fortan jedes Streifen ins Gebiet des Reli⸗ giöſen, und nur manchmal ſah Manna auf und ihre Augen wur⸗ den größer, wenn der Profeſſor Ausſprüche der Heiden citirte, die Wahrheiten enthielten, welche ſie für das alleinige Beſitzthum der Kirche gehalten.

Vor ihrem Auge that ſich ein weit geſpannter Horizont auf, innerhalb deſſen die verſchiedenen Religionen nur wie Vorgebirge ſich darſtellten.

Dieſer unſcheinbare, zart organiſirte Mann erſchien als die vollkommene Individualität, die in der humanen Betrachtung alle Gegenſätze in ſich aufgenommen und ausgeglichen. Sie ſah die Ehrerbietung Erichs gegen ihn, ſeine kindliche Fügſamkeit, ſein treues Aufmerken, die Unterordnung, die er zu jeder Stunde zeigte. Sie beobachtete Frich immer ſcharf. Alſo dieſer Mann mit dem ſtark betonten Selbſtbewußtſein iſt ſo beſcheidener Verehrung für Andere fähig?

Profeſſor Einſiedel ging manchmal mit einem alten einge⸗ ſchrumpften Männchen von äußerſt demüthiger Erſcheinung; ſo oft er Manna begegnete und ſie anſprach, zog ſich der Genoſſe zurück, wie wenn er nicht das Recht habe, auch in die Gemein⸗ ſchaft der Menſchen einzudringen.

Profeſſor Einſiedel erzählte Manna einſt deſſen Geſchichte.

Sie waren mit einander auf der Schule geweſen, der Genoſſe war früh ausgetreten, weil ihm ſeine Eltern geſtorben waren und er für Geſchwiſter zu ſorgen hatte. Er war Buchhalter in einem großen Bankgeſchäft, er unterhielt ſeine verwittwete Schweſter und deren Kinder. Unter großen Entbehrungen ſparte er ſich eine be⸗ trächtliche Summe, und einſt, als er im Theater geweſen und