wie er dazu gekommen, Erich zu verletzen, während es doch in ſeiner Abſicht lag, deſſen Mutter kommen zu laſſen. Wie gütig werden das die Menſchen finden. Alles kommt nur darauf hinaus, daß die Welt glaubt. Die Geſchminkte weiß auch, daß ſie keine rothen Wangen hat, aber ſie freut ſich, daß die Welt es glaubt, iſt fröhlich und thut jung.
Sonnenkamp hatte gewünſcht, daß Prancken den Ankauf der benachbarten Villa, die man der Cabinetsräthin überlaſſen wollte, betreiben ſollte. Prancken hatte es ebenſo freundlich als mit guten Gründen abgelehnt, denn er fand, daß Herr Sonnenkamp ſich den Anſchein geben müſſe, als wolle er ſich nur gute Nachbarſchaft ſichern. Sonnenkamp wußte nicht, ſollte er hoffen oder fürchten, daß Prancken die Sache bereits von langer Hand angeregt und ſich einen Vortheil dabei geſichert habe. Sollte er der Betrogene ſein? Aber es war ſchön, wenn ſein künſtiger Schwiegerſohn ſo viel Klugheit hatte, ſich einen Vortheil zu ſichern.
In den nächſten Tagen bekümmerte ſich Sonnenkamp wenig um Haus und Garten, um Roland und Erich, er beſichtigte das Land⸗ haus, ſuchte die entſprechenden Weinberge zu erwerben und ward vollkommen überzeugt, daß Prancken noch gar nichts in der Sache gethan.
Der Weingraf hatte auch die Abſicht, das Landhaus zu kaufen; es hieß, er wolle es für ſeinen Eidam, den Sohn des Hofmarſchalls, erwerben. Sonnenkamp ſchloß raſch den Kauf ab.
Sechstes Capitel.
Wenn der Kriſcher im Gefängniß gehört hätte, daß Sonnen⸗ kamp noch ein Landhaus gekauft, hätte er ſicher wieder ausgerufen:
„Ja, der kauft noch den ganzen Rheingau!“
Aber er vernahm nichts davon.
Die Unterſuchung zog ſich in die Länge. Der Largighter war zwar ſo freundlich, neue Protokolle, für welche Erich Roland zu verhören waren, auf der Villa aufzunehmen; immerhin aber unterbrach dieſe ſchwebende traurige Angelegenheit mehrmals den
Unterricht.


