nicht glauben, daß Sie das ohne Abſicht gethan. Ich erkläre Ihnen aber, daß ich mich durch Derartiges nicht gedemüthigt fühle.“
Sonnenkamp machte eine abwehrende Bewegung und Erich fuhr fort:
„Ich hätte Ihnen in Gegenwart Rolands ſagen können, daß die freie Arbeit— ich ſpreche nicht von Liebe— wie ſie der Menſch dem Menſchen leiſtet, nie bezahlt werden kann. Ich unter⸗ drückte es, weil ich will, daß Ihr Sohn Sie mehr liebe und ehre, als andere Menſchen, auch mehr als mich. Ich bin in Ihrem Dienſte, dies iſt Ihr Haus, Sie können mich in dieſer Stunde daraus entfernen.“
„Das wollte ich nicht... das will ich nicht! Habe ich das geſagt? Ich muß mich Ihnen nur erklären und Sie müſſen ſich mir erklären. Haben Sie nicht Roland geſagt, daß die Zeit kom⸗ men wird oder da iſt, wo es keinen Privatbeſitz mehr gibt?“
Erich entgegnete, daß ihm das nicht im Entfernteſten in den Sinn gekommen ſei; er habe nur ein Beiſpiel von der Umwand⸗ lung der Geſinnungen gewählt; er bereue, gerade dieſes gewählt zu haben, und werde dafür ſorgen, die mißverſtändliche Auffaſſung Rolands zu berichtigen. Aber er hätte wohl vorausſetzen dürfen, der Voter würde eher einen Mißverſtand Rolands, als einen Widerſinn des Lehrers annehmen.
Sonnenkamp pfiff wieder leiſe vor ſich hin.
„Setzen wir uns,“ ſagte er endlich;„ſprechen wir ruhig als verſtändige Männer, als Freunde, wenn ich ſo ſagen darf.“
Er machte eine Pauſe; mit ganz veränderter Stimme fuhr er dann fort:
„Ich muß Ihnen bemerken, daß, auch von dem Irrthum abge⸗ ſehen, Ihre Denkweiſe mir für meinen Sohn gefährlich ſcheint. Sie ſcheinen mir in der That ein Menſchenfreund. Ich reſpectire das. Sie gehören zu den Menſchen, die jedem Straßenknecht am Wege den Dank für ſeine Mühe ausdrücken möchten, auch mate— riell. Sie ſehen, ich glaube an Ihre wirkliche Menſchenfreundlich⸗ keit. Aber dieſe Menſchenfreundlichkeit— ich ſpreche— taugt für meinen Sohn nicht. Es wird auch viel Schmußge del mit Gefühlen getrieben; man redet ſich ein, daß die niederen Menſchen unſere Empfindung haben. Mein Sohn hat dereinſt ein fürſtliches Einkommen; wenn nun ein Reicher ſo durch das Leben gehen müßte, immer ausſchauen, wo Noth, wo nicht entſprechender


