Teil eines Werkes 
2. Bd. (1869)
Entstehung
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Ein Telegramm war da, daß die Familie heute in der Reſidenz übernachte. Frich war allein.

Fünftes Capitel.

Frau Ceres ſagte am Morgen, daß ſie nicht gern ſchon jetzt wieder nach der Villa zurückkehre; das Feſt auf Rudolphshöhe lag ihr im Sinn und ſie wünſchte heute wieder ein ſolches zu haben und nicht abzureiſen. Man konnte ihr nicht willfahren. Sie bat die Cabinetsräthin dringend, doch mit nach der Villa zu reiſen und bei ihr zu bleiben. Es wurde abgelehnt, aber ein baldiger Beſuch verſprochen.

Frau Ceres war verſtimmt; um ſie aufzuheitern, ließ nun Sonnenkamp Prancken zu ihr in den Wagen ſitzen und nahm Roland zu ſich. Jetzt, da er ſeinen Sohn allein hatte, fragte er ihn über mancherlei aus; namentlich ſcheute er ſich nicht, zu er⸗ forſchen, wie Erich mit der Gräfin Bella geweſen und ob ſie oft allein ſpazieren gegangen.

Unterwegs begegneten ihnen die Reitpferde, die vvraus heim⸗ wärts geſchickt waren. Sonnenkamp ließ einen Augenblick an⸗ halten, die Pferde ſchauten unter den Decken heraus mit ihren großen Augen gar ſeltſam auf ihren Herrn. Er gab dem Reit⸗ inecht einen ſtrengen Verweis, denn er hatte von ferne bemerkt, daß dieſer ſtatt ruhig nebenher zu gehen, auf einem der Pferde geſeſſen hatte; er drohte kurz, daß bei nächſtem Zuwiderhandeln der Reitknecht entlaſſen würde. Man fuhr weiter und Roland ſagte:

Unſere Pferde ſind beſſer bekleidet als arme Menſchen.

Sonnenkamp antwortete nichts, er ſah nur ſeitwärts und dann auf ſeinen Sohn.

Plötzlich rief Roland dem Kutſcher, er möge anhalten. Er ſah am Wege den Fuhrmann, mit dem er in jener NRacht gewandert war. Er ſtieg aus, reichte dem Manne die Hand und ſagte, wenn er den Hausknecht treffe, möge er ihm ſagen, daß er ihn beſuchen ſolle. Roland ſtieg wieder ein, der Fuhrmann ſtarrte ihm nach und der Vater fragte nach dieſem ſeltſamen Begegniß.