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die ſich Bella nennt, demüthigen und beherrſchen könnte, das wäre Herr Sonnenkamp, und im Geheimen haben ſie auch eine tiefe Sympathie für einander.“
Erich fühlte ſich erleichtert, da er lachen konnte; aber der Doctor nahm wieder auf:
„Junger Freund, ich bin ein Ketzer, ich glaube, ſo böſe als eine Frau kann ein Mann nie ſein und auch ſo heuchleriſch nicht. Für das Letzte ſind ſie aber nicht verantwortlich, denn es wird ihnen von Kindheit an ja immer geſagt: thut nur ſo, die Welt will den Schein. Die Hauptſache aber iſt, ſie haben keine Humanität, ſie gehen nicht den Gründen nach, aus denen die Dinge geworden ſind, Alles iſt für ſie fertig geſteckt und genäht wie ein Hut oder eine Mantille bei der Putzmacherin; und andererſeits ſtehen ſie noch unter dem Bann des Thieriſchen, ſie kennen die volle Mitfreude nicht und Mediſance iſt die verfeinerte Mordgier; in der ganzen Thierwelt iſt das Weibchen immer das grauſamſte.“
Erich ſaß ſtill und ließ Alles an ſich hinreden, und als man jetzt am Ziele angekommen war, ſtieg der Doctor aus, er blies wieder vor ſich; er glühte im ganzen Geſichte.
„Ich habe miv's einmal leicht gemacht,“ ſagte er,„ich würge ſchon lange daran. Ich danke Ihnen, daß Sie mich ſo geduldig angehört. Junger Freund,“— und er legte zutraulich die Hand auf die Schulter Erichs—„ich bin auch grimmig auf die Poeten, die uns aus Furcht, den Weibern zu mißfallen, die geiſtreiche Paradefrau aufgeputzt haben. Wenn ich über Frau Bella zu viel geſagt habe— es iſt möglich— bitte, behalten Sie, was ohne Uebertreibung wahr iſt und bleibt und was ich zu jeder Stunde vertrete.“
Erich nahm ſein Pferd am Zügel, aber er ſtieg nicht auf, er ging ſtill und gedankenvoll dahin; es that ihm weh, daß über Bella ſo geſprochen wurde und daß er ſie nicht beſſer vertheidigt hatte.
Zu Roland wendete ſich ſeine Seele und in ihm ſprach es: Ich war doch auch eitel, ich freute mich, zu glänzen, von einer ſchönen Frau gelobt zu werden, mit ihrem warmen Handſchuh einen leichten Schlag auf die Finger zu bekommen. Das war kein Mann, der ſagen durfte, ich will in Reinheit einen Menſchen erziehen.
Mit befreiter Seele ſchritt er des Weges weiter und kam auf der Villa an.
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