Erich wußte nicht, was er ſagen ſollte, er fühlte, daß er zitterte. Der Doctor zog an einer Schnur, der Radſchuh legte ſich unter das Rad am Wagen, man fuhr den Berg herab, der Wagen knirſchte und ziſchte und man ſchaute hinein in die Tiefe, wo unten über Felſen ein kleiner Bach dahinrauſchte. Als man wieder im Thal dahinfuhr, begann der Doctor:
„Wenn ich ſage, die böſe Welt, ſo war das nicht blos eine Redensart; ich muß Ihnen nur noch erklären, welches die neue Spielart iſt, die ich an Frau Bella kennen gelernt habe. Es gab und gibt viele Frauen, die, in Wahrheit oder eingebildet, höchſt unglücklich ſind oder ſich höchſt unglücklich fühlen, weil ſie gar ſo unbedeutende Männer haben— und ſie ſelber ſind doch ſo große, unverſtandene, ätheriſche Seelen— und ihre Gatten lieben die Pferde, die Hunde und was ſonſt noch. Die neue Spielart aber, die Frau Bella repräſentirt, iſt die: ſie iſt unglücklich, weil ihr Mann ſo bedeutend iſt. Hätte ſie eine jener wohlexercirten Glieder⸗ puppen, die dazu da ſind, eine Hofuniform auszufüllen, ſie könnte unglücklich ſein, könnte ſich als ſchönes blüthengeſchmücktes Opfer betrachten, geduldſam entſagen und ſich beweinen, aber immer wachſen der höchſten Empfindung zu. Nun aber wird ſie neben einem ſolchen Manne immer gehäſſiger und geringer; er beleidigt ſie, weil er ſie in Schatten ſtellt, ja ſogar oſt ihr halbes Denken tadelt, wenn auch nur durch Emporziehen der Brauen. Und eigent⸗ lich ich glaube, ſie geſteht es ſich ſelber nicht... haßt ſie ihren Manh, denn er macht aus ihrem bloßen Spielen mit dem Geiſt ſtrengen Ernſt; er zwingt ſie, Unklarheiten und Albernheiten zu erkennen. Daſür wird er aber auch genugſam geſtraft. Mir iſt die Sage von den Harpyen klar geworden. Die neuen Harpyen be⸗ ſchmutzen jeden höheren Gedanken, daß er ungenießbar und ekel⸗ haft ſei, und ſo muß nun Clodwig um das einfache tägliche Brod des Geiſtes kämpfen und ringen. Wiſſen Sie, was aber nun das Gefährlichſte iſt bei Frau Bella?“
„Ich weiß gar nichts mehr, ich kann mir nicht denken, welche Steigerung Sie noch vorhaben.“
„Eine ganz einfache. In der Kirche nennt man es Teufel, was aber jetzt als ein ſehr geſchmeidiger, edler und aufopfernder Dämon erſcheint, er kommt und ſagt: Sieh, Du biſt der Freund dieſer Frau, ſie hat ſo viel Vertrauen, ſo viel Güte zu Dir, be⸗ nütze das nun, ihr die rechte Stimmung zu geben; Du mußt ſie


