er ſeine Tochter nicht einem dem Tode verfallenen, ſondern dem friſcheſten Leben angehörenden Edelmanne zur Gattin geben wolle.
Prancken lächelte ſehr geſchmeichelt, entgegnete aber, daß der Vorgang mit dem Weinhändler— man könne dies durchaus nicht Vorrang nennen— eher förderlich ſei; die Adelserhebung ſtehe alsdann nicht ſo vereinzelt da.
„Sie haben es ſchwerer als der Weinhändler,“ ſetzte er hinzu, „denn im Hauſe des Weinhändlers wohnte der Kirchenfürſt bei ſeiner letzten Rundreiſe. Der Weinhändler hat die mächtige Kirchen⸗ partei für ſich, während Sie, ich wollte ſagen Wir, eigentlich keine Partei haben. Um ſo beſſer, der Sieg iſt unſer allein.“
Man kam in der Reſidenz an.
Die Cabinetsräthin war hocherfreut und ſagte zu Prancken, den ſie beſtändig als Haupt der Geſellſchaft anredete, wie glück⸗ lich ſie ſei, in einer Bade-Bekanntſchaft eine neue Freundſchaft gewonnen zu haben.
Nicht ohne Geſchick wußte Prancken anzubringen, daß Sonnen— kamp ein nachbarliches Landhaus ankaufe, um es zu einer mäßigen Summe abzugeben, wenn er damit edle Freunde als Nachbarn anſiedeln könne.
Die Cabinetsräthin kannte das Haus; es hatte ehedem Be⸗ freundeten angehört und ſie war zuweilen dort zum Beſuche ge⸗ weſen. Sie pries die Menſchen glücklich, die in einem folchen Beſitzthum ſich heimlich anſiedeln und liebe Nachbarn haben; ſie erzählte, daß ſie ihrem Manne geſagt habe, es ſei eine Schande für den Staat, daß ein Mann wie Herr Sonnenkamp noch keinen Orden beſitze.
So vorbereitet ging nun Prancken mit ſeinem Plane heraus und die Cabinetsräthin fügte hinzu, daß es der Geſellſchaft nur erwünſcht ſein könne, einen Mann von ſolcher Bedeutung wie Herr Sonnenkamp in den höheren Stand aufzunehmen. Sonnen⸗ kamp that ſehr beſcheiden und ſchüchtern; ein Mädchen, das einen Liebesantrag erhält, den es erwartet hatte, konnte nicht ener zu Boden ſehen.
Man rückte die Rollſtühle näher zuſammen, als ob man ſich jetzt erſt ſagen dürfe, daß man im vollſten Vertrauen zu einander ſtehe; die Cabinetsräthin bat, man möge ihrem Manne zunächſt noch nichts mittheilen, ſie werde Alles ſchon entſprechend einleiten; es wäre indeß gut, wenn auch von anderer Seite mitgewirkt


