Teil eines Werkes 
2. Bd. (1869)
Entstehung
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nicht vermocht hätte, das gelang ihm jetzt aus Pflicht für einen Andern; er verſenkte ſich in die Erkenntniß und Alles erſchien durchſichtiger und klarer. Wie ein geübter Schwimmer ſich der heranſtürmenden hohen Wellen freut, untertaucht, wieder ans Licht dringt und mit kräftigem Arme die Fluthen theilt, ſo verſenlte ſich Erich in die Wiſſenſchaft, und freudig hob es ihm das Herz, wenn die großen Wellen heranbrauſten; da verſchwindet alles tleinliche Bangen und Zagen und alles Kämpfen mit ſich ſelbſt.

Roland bat Erich, mit ihm in das Haus des Kriſchers zu gehen, um zu ſehen, wie es der Frau und den Kindern erginge. Er erzählte, daß er dem Sohne des Kriſchers begegnet ſei, der als Küfer im Dienſte des Weingrafen ſtand; er habe ihm die Hand reichen und ſagen wollen, daß der Sohn ja nichts dafür könne, wenn der Vater etwas gethan, und er habe es ja gewiß nicht gethan. Der Küfer aber habe ihm die Hand verweigert, ihn nur ſtarr angeſehen, ſeinen Hammer aus dem Schurzfell genom⸗ men, habe damit hin und her geſpielt und ſei endlich davon ge⸗ gangen.

Erich ging mit Roland nach dem Hauſe des Kriſchers; die Vögel in den Käfigen ſangen, und vor Allem die Schwarzamſel hörte nicht auf mit ihremFreut Euch des Lebens. Die Hunde ſprangen luſtig umher. Die Frau war abgehärmt und verwahr⸗ loſt, ſie jammerte und erzählte, ſie habe ſofort nach der Ver⸗ haftung ihres Mannes alle Vögel hinausftiegen laſſen wollen, aber ihr Sohn, der Küfer, beſtehe darauf, daß Alles bleibe, bis der Vater wieder käme, denn er würde ſicher bald frei; der Siebenpfeifer habe das Amt des Kriſchers einſtweilen theilweiſe übernommen, den Nachtdienſt habe oftmals der Küfer, der doch am Tage ſo ſcharf arbeiten müſſe. Es ſolle Alles in Ordnung bleiben, damit ihr Mann wieder in ſeinen Dienſt treten tönne.

Erich wollte der Frau eine Summe einhändigen, aber ſie er⸗ klärte, ſie nehme nichts; ihr Sohn, der Küfer, habe verboten, daß etwas aus dem Hauſe Sonnenkamps angenommen werde.

Als man nach der Villa zurückkehrte, ſagte Roland:

Wenn nun der Kriſcher unſchuldig iſt, wie ich glaube, ſo iſt doch entſetzlich, daß ihn für die Qual und die Schande, die er tragen mußte, Niemand entſchädigen kann.