Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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Und doch hat er mich gezüchtigt.

Was er Dir auch gethan, entgegnete Gunther, hat nicht er gethan, nicht ſein freier reiner Wille; ein Krampf, ein Rückfall in die Endlichkeit hat es in ihm vollzogen. Im Geiſte Deines Vaters und ſo wahr als ich wünſche, daß in meiner Sterbeſtunde die Wahr heit in mir lebe, entſühne ich Dich. Du haſt Dich entſühnt. Verzeihe ihm, wie er Dir dennoch verziehen. Er würde Dich jetzt ſegnen, wie ich Dich ſegne. Sei in Liebe ſein gedenk, wie er in innerſter Wahrheit in Liebe zu Dir war.

Irma faßte die Hand Gunthers, die er ihr auf die Stirn gelegt, und küßte ſie. Dann ſprach ſie mehrmals, ohne ſich umzuwenden, vor ſich hin:Bleib' bei mir.

Stundenlang ſaß nun Gunther an Irmas Bett. Man hörte nichts als den ängſtlichen Athem, der immer ſchwerer wurde.

Als jetzt draußen die Stimmen der Berge ihren Namen rieſen, richtete Irma ſich auf und ſchaute rechts und links.

Hörſt Du es auch? fragte ſie.Mein Name.. von Stimmen, Stimmen überall, Stimmen

Die Thüre öffnete ſich, die Königin trat ein.

O, endlich biſt Du da! hauchte Irma tief auf⸗ athmend. Sie richtete ſich mit der letzten Kraft auf und kniete im Bett; ihr langes Haar floß an ihr nieder, ihr Auge glänzte wunderſam, ſie faltete die Hände, dann breitete ſie die Arme aus und rief in herzzerreißendem Tone: Verzeih', verzeih'!