Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

47

Gunther ging hinaus und holte Irma eine ſtär⸗ kende Medicin. Sie fühlte Labung und Erfriſchung.

Ich weiß, daß ich jetzt ſterbe, ſagte ſie mit klarer Stimme.Ich bin glücklich, daß ich im Bewußt⸗ ſein gelebt, im Bewußtſein ſterben kann.

Sie übergab Gunther das Tagebuch und ſagte, daß ihr darin niedergeſchriebener Wunſch, wo ſie be⸗ erdigt ſein wolle, nicht gelten ſolle; der Ohm wiſſe, wo ihr Lieblingsplatz geweſen, dort wolle ſie begraben ſein, und kein Merkmal ſolle ihr Grab bezeichnen.

Gunther hatte ehedem geſagt, daß er ſchon viele im Tod erſtarrende Hände in der Hand gehalten an einem Todtenbett wie das Irmas hatte er noch nicht geſeſſen.

Siebzehntes Capitel.

Ich hab's gewußt, ich hab's geahnt! jammerte Walpurga, als Franz die Nachricht von der ſchweren Krankheit Irmas auf den Freihof brachte.Ich hab's gewußt, daß ſie nicht wiederkommt, wiederholte ſie oft und weinte und rang die Hände und kniete an dem Stuhl nieder und preßte den Kopf auf die gefalteten Hände.

Das hilft jetzt nichts, ſagte Hanſei und legte ſeine Hand auf ihre Schulter.Steh' auf, Du biſt doch ſonſt nicht ſo. Komm, es wird nicht ſo arg ſein, und was es auch ſei, jetzt iſt nicht Zeit zum Weinen und Jammern; jetzt wollen wir thun, was zu thun iſt.