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19 ſie iſt Nacht um und um. Es dauerte lange, bis ſie glaubte, daß ſie wache, bis ſie ſich beſann, wo ſie war. Endlich wurde ſie ihrer ſelbſt inne, aber ſie bewegte ſich nicht. Dumpf und ſchwer zog es durch ihre Seele: Warum wieder erwachen? O du unbarmherzige Natur! Warum kann nicht ein tiefer Seelenſchmerz dich brechen? Warum verlangſt du wieder eine Naturmacht gegen dich? Feuer, Waſſer, Stahl, Gift? Warum kann die Seele den Leib verderben und nicht auch tödten? Sonne, was willſt du von mir? Ich will dich nicht mehr— hier meine Stirn, darauf brennt die todte Hand mei⸗ nes Vaters und in mir hämmert das Gewiſſen mit tauſend Fäuſten und zerſchlägt mich nicht.— Warum? — Warum?
Sie ſchloß die Augen und wendete ſich ab von der Sonne. Es flüſterte ihr zu: Noch iſt es Zeit, noch kann Alles nur ein hölliſches Abenteuer geweſen ſein, ein Traum mit wachen Sinnen. Kehr' um! du kannſt, du darſſt es... du haſt genug gebüßt...
Wie mit unſichtbarer Gewalt riß es ſie wieder herum nach der Sonne hin. Dort unten blinkt der See und ſeine Wellen murmeln: Tief in meinem Grunde iſt alles Denken, alles Grübeln, Zagen und Zweifeln zu Ende!
Sie ſtand auf, und als ſie im Moos die Abzeich⸗ nung ihrer Figur ſah, wie ſie dagelegen, ſtarrte ſie lange darauf. So ſchaut der Hirſch mit dem Todes⸗ ſchuß im Herzen auf ſein nächtliches Lager. Was ſind wir mehr als die gejagten Thiere im Wald?.. Es iſt Alles eitel... Was nützt es, ſich die Seele


