Du haſt den ſchwerſten Schmerz des Lebens erfahren. Ich möchte bei Dir ſein, Dein ſchwerpochendes Herz an das meine drücken und die Thränen Dir von den Augen küſſen. Ich will Dich nicht tröſten, nur Dir ſagen, daß ich mit Dir fühle, ſoweit man fühlen kann, was man nicht ſelbſt erfahren. Du biſt ſtark, edel und harmoniſch, ich muß Dir's zurufen,
(Die Hand Irmas zitterte, als ſie dies las.) „damit Du Dich Deiner ſelbſt erinnerſt und Deinen Schmerz ſchön und rein trägſt. Du biſt verwaiſt, aber die Welt darf Dir nicht öde und leer ſein. Dir leben befreundete Herzen. Ich freue mich, oder vielmehr ich danke dem Schickſal, daß ich im Leid Dir etwas ſein kann. Ich brauche Dir nicht zu ſagen, daß ich Deine Freundin bin, aber es thut in ſolchen Stunden gut, wenn man ſich das ſagt. Ich möchte keine Stunde vergnügt leben, während Du in Trauer biſt. Alles iſt uns gemeinſam.
(Irma bedeckte ſich das Geſicht mit der Hand. Sie faßte ſich und las weiter.)
„— Laß mich bald wiſſen, was ich Dir ſein kann. Komme zu mir oder bleibe in Einſamkeit, wie es Deine Natur erheiſcht. Könnte ich nur Dir den Genuß Deiner ſelbſt geben, wic wir ihn empfinden! Du weißt gar nicht, wie Großes Du geleiſtet. Du haſt das Reich unſerer Empfindungen vermehrt. Das iſt die ſchönſte Eroberung. Sei ſtark in Dir und wiſſe, daß Du einen Halt haſt
an Deiner Dich innig liebenden
Mathilde.“
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