auf den Mann, der in ſeiner tiefſten Ergriffenheit noch ſo ſtreng urtheilen konnte.
„Wie trägt es unſere Irma?“ fragte ſie.
„Schwer und ſtill, Majeſtät,“ erwiderte der Leibarzt.
„Ich meine,“ ſagte der König zur Königin,„wir ſollten unſerer Freundin ſchreiben und ihr einen Boten ſchicken.“
Die Königin ſtimmte bei, und der König ſagte laut zum Schloßhauptmann:
„Die Königin will ſofort einen Courier an die Gräfin Irma ſchicken, wollen Sie das Nöthige veran⸗ laſſen. Schicken Sie den Lakaien Baum.“
Die Königin ſtutzte. Warum ſagt der König, daß ſie einen Boten ſchicken wolle, während er doch dazu angeregt hatte und ſie nur beiſtimmte? Ein Schreck durchzuckte ſie, aber ſie bezwang ihn ſchnell und machte ſich Vorwürfe, daß der böſe Blutstropfen, der ſich einſt in ihr geregt, noch nicht ganz verſchwunden ſei. Sie ging in ihr Ca— binet und ſchrieb an Irma. Auch der König ſchrieb.
Baum machte ein ſehr beſcheidenes, ſehr unter⸗ gebenes Geſicht, als ihm der Schloßhauptmann den Befehl gab, ſich ſofort bereit zu machen, um als Courier zur Gräfin von Wildenort zu reiſen; er ſolle bei der Gräfin bleiben, ſie nie verlaſſen, und wenn ſie auf Reiſen gehen wolle, ſo werde er ſie begleiten bis zu ihrer Rückkehr an den Hof.
Als Baum mit den Briefen abreiſte, hatte er ein ganz anderes Geſicht, es war triumphirend; jetzt iſt er auf dem Punkt, das große Loos zu gewinnen, man hat ihm den delicaten Auftrag gegeben, er weiß, woran er iſt, man verſteht ihn und er verſteht die Anderen.
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