Teil eines Werkes 
2. Bd. (1866)
Entstehung
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Achtes Capitel.

Es war tief in der Nacht. Alles ſchlief.

Irma öffnete leiſe und ſchlich hinaus.

Sie ging nach der Todtenkammer. Ein einſames Licht brannte zu Häupten des Todten; er lag im offenen Sarg, ein Büſchel Aehren zwiſchen den Händen. Der Diener, der bei der Leiche wachte, ſah Irma groß an; er nickte nur und ſprach kein Wort.

Irma faßte die Hand des Vaters. Wenn dieſe Hand ſegnend auf ihrem Haupte geruht hätte, ſtatt daß ſie...

Sie kniete nieder und küßte mit heißer Lippe die eiſig kalte Hand. Ein Gedanke, ein Blitz, ein ſinn verwirrender, zuckte durch ihre Seele: Das iſt der Kuß der Ewigkeit! Flammende Lohe und Eiſesſtarren dräng⸗ ten ſich zuſammen. Das iſt der Kuß der Ewigkeit...

Als ſie in ihrem Zimmer erwachte, wußte ſie nicht mehr, hatte ſie geträumt oder war es in Wirklichkeit geſchehen ſie hatte die todte Hand des Vaters geküßt; aber das ſpürte ſie: tief in ihrem Innerſten ruht etwas wie ein eiſiger Tropfen, unbeweglich, unvertilgbar.

Der Kuß der Ewigkeit Du wirſt keine warmen Lippen mehr küſſen Du biſt dem Tode vermählt.

Sie hörte die Glocken läuten, man trug ihren Vater zu Grabe; ſie verließ das Gemach nicht, kein Ton kam von ihren Lippen, keine Thräne aus ihrem Auge; Alles in ihr war ſtumm, dumpf und zerbrochen. Sie lag im Dunkel. Wenn die Tauben auf dem Fenſterſims draußen girrten und davonflogen, dann wußte ſie, daß es Tag war.

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