Teil eines Werkes 
2. Bd. (1866)
Entstehung
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löſe ich mich auf und verſchwimme und verſchwinde. Ich wollte wiſſen: Wie iſt Gott?

Jetzt habe ich die Antwort unſres Meiſters: Wir haben keine bildliche Sinnesvorſtellung von Gott, aber wir haben einen klaren Gedanken oder Begriff von ihm.

Das alte Wort: Du ſollſt Dir kein Bild machen von Gott— heißt für uns: Du kannſt Dir kein Bild von Gott machen. Jedes Bild iſt ein begrenztes, der Gottesgedanke der Begriff der Unbegrenztheit.

Wir müſſen uns als einen Theil Gottes denken— lehrt Spinoza.

Indem mein Geiſt das Ganze zu erfaſſen ſtrebte, habe ich erkannt, was es heißt: Der Menſchengeiſt iſt ein Theil des Gottesgeiſtes

Aus dem ewig bewegten Meer taucht ein Tropfen auf, iſt eine Sekunde— man nennt ſie ſiebzig Jahre — ſonnenhaft leuchtend und durchleuchtet, dann taucht der Tropfen wieder unter.

Der einzelne Menſch als ſolcher, wie er geboren und gebildet wird, iſt gleichſam ein Gedanke, der auf

die Schwelle des Bewußtſeins Gottes tritt; ſtirbt er, ſo

aucht er wieder unter die Schwelle des Bewußtſeins.

Er geht aber nicht zu Grunde, er bleibt in Ewigkeit, wie jeder Gedanke in ſeiner Nachwirkung bleibt.

Faſſe ich nun eine Verkettung, eine Vielfältigkeit ſolchht Gottesgedanken und nenne ich ſie Volk, ſo tritt der ganze Volksgenius auf die Schwelle des Bewußt⸗ ſeinsy ſobald das Volk auf die Höhe der Geſchichte tritt.

Faßt man aber wieder die Völker in Eins zu⸗ ſammen, ſo iſt dies eben die Menſchheit, oder die

Auerbach, Auf der Höhe. II 24