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„Das haſt Du ſelbſt geſchrieben. Soll ich Dir dar⸗ aus vorleſen?“
Der Kranke nickte raſch. Gunther ſetzte ſich an das Bett und las:
„Für den Tag und die Stunde, da ſich mein Denken verdunkeln will, ſei mir dieß zur Erleuchtung.
Ich habe immer in mich hineingedacht. Ich wollte mein eigen Selbſt erfaſſen, wie es nicht iſt in der Zeit, nicht beſtimmt von einem Standorte, nicht von einer That. Ich ſehe es, aber ich kann es doch nicht feſt⸗ halten. Ein Tropfen Thau, eingeſchloſſen ins Herz eines Felſens.
Es giebt Stunden, wo ich das Ideal, noch mehr Stunden aber, wo ich die Caricatur meiner ſelbſt bin. Wie faſſe ich die wirkliche Weſenheit? Was bin ich?
Ich erkenne mich als etwas, das dem All und der Ewigkeit angehört.
Wenn ich das faſſe,— es ſind ſelige Minuten, die auch zu Stunden werden,— dann giebt es nur Leben, keinen Tod, weder für mich noch überhaupt in der Welt.
In meiner Sterbeſtunde möchte ich ſo klar und hell wie jetzt mir bewußt ſein, daß ich in Gott bin und Gott in mir.
Mag die Religion die Wärme des Gefühls, den Glanz der Phantaſie für ſich in Anſpruch nehmen— dafür ſtehen wir in der Klarheit, die Gefühl und Phantaſie in ſich ſchließt.
Oft in ruheloſen Tagen, da ich das Unendliche zwingen wollte, mir Stand zu halten, war mir's, als
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