und Jedem mißtrauen“— das war die große Lehre, die ihm von Jugend auf eingeflößt worden.—„Man kann nie wiſſen, welche egoiſtiſche Abſichten die Men⸗ ſchen bei allem edlen Anſchein haben.“ Dieſe Lehre entſprach einem Charakterzug im Weſen des Königs; er wollte ſelbſt ſein, ſich von Niemand in ſeinen Ent— ſchlüſſen beſtimmen laſſen. Das iſt der Kernpunkt der heroiſchen Natur. Darum iſt ihm auch bei aller Frei⸗ heitsliebe der Conſtitutionalismus zuwider; er hebt die große, in ſich machtbegabte Perſönlichkeit auf, man ſoll nur Träger des Zeitgeiſtes oder, noch tiefer, Vollſtrecker der öffentlichen Meinung ſein. Das widerſprach ſeinem ſtarken perſönlichen Bewußtſein. Wenn nun irgend
Jemand ihn zu einer Meinung und Entſchließung drän⸗
gen wollte, war er mißtrauiſch, er war es ſelbſt gegen Irma. Sie weiß es gewiß ſelbſt nicht, daß ſie Werk⸗ zeug einer Partei iſt, aber ſie iſt es, wahrſcheinlich, ja gewiß; man hat ausgekundſchaftet, daß ſie viel bei ihm gilt und nun den Kloſtereintritt Emmy's benützt⸗ um ihn zur Entſcheidung zu drängen. Das will er nicht dulden, ſelbſt Irma ſollte fühlen, daß er ſich zu nichts von einem fremden Menſchen beſtimmen laſſe, auch von der ſchönen Freundin nicht. Alte Zeiten können nicht wiederkehren; ſie finden einen neuen Menſchen in ihm, der keinen Fraueneinfluß auf die Staatsgeſchäfte duldet. Aus dieſen ineinander laufenden Erwägungen von Mißtrauen und Selbſtherrlichkeit hatte der König bis jetzt von dem an ihn gerichteten Briefe Irmas ge⸗ ſchwiegen, und nun endlich in der eben vernommenen Weiſe geſprochen.
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