Teil eines Werkes 
2. Bd. (1866)
Entstehung
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Zweites Capitel.

Majeſtät, ſagte eines Tages Gräfin Irma zum König, als ſie mit ihm in der Veranda auf⸗ und ab⸗ ging im Muſikſaal übte die Königin mit ihrer Kam mervirtuoſin ein claſſiſches StückMajeſtät, es iſt doch räthſelhaft, manche Menſchen ſind uns um ſo be⸗ deutender und liebenswerther, wenn wir fern von ihnen nur ein Erinnerungsbild in der Seele haben; andere dagegen erſcheinen uns um ſo tiefer und anmuthender im perſönlichen, alltäglichen Umgange, und wenn wir von ihnen entfernt ſind, haben wir kaum eine rechte Vorſtellung von ihnen, können denen, die ihre perſön⸗ liche Bekanntſchaft nicht haben, kein Bild ihres Weſens geben, ja nicht einmal der Erſcheinung. Worin liegt das?

Ich meine, erwiderte der König,aber ich muß geſtehen, ich habe noch nie darüber nachgedacht ich meine, daß die Einen mehr Detailnaturen ſind mit lauter kleinen Zügen, die Anderen dagegen haben eine geſammte ganze Phyſiognomie. Oder auch: diejenigen ſind uns in der Ferne bedeutſamer, in deren Weſen noch ein Problem für uns iſt und uns dadurch mehr zu denken giebt. Meinen Sie nicht auch?

Allerdings. Aber ich möchte doch auch ſagen: Die Einen ſind imponirende und dadurch ſchon in der Ge⸗ genwart ferngerückte hiſtoriſche Menſchen; ſie können ſterben und bleiben wenn Jemand fern von uns iſt, iſt er ſchon wie ein Stück geſtorben; die Anderen dagegen leben nur, ſo lange ſie athmen, und leben

Auerbach, Auf der Höhe. 1I. 2