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Die Königin aber hielt ſie empor, umſchlang ſie und drückte ihr einen innigen Kuß auf die Lippen.
„Sie allein durften die Lippen berühren, die mein Vater geküßt,“ ſagte Irma, oder vielmehr ſie ſagte es nicht, ſie bewegte nur leiſe die Lippen zu den Worten; tief in ihrer Seele aber ſtieg der Gedanke auf:„Sterben wirſt du eher, tauſendmal, ehe du dies heilige Herz betrübſt!“
Der Gedanke machte ihr Antlitz durchleuchten, und die Königin rief entzückt aus:
„O wie ſchön ſind Sie jetzt, Gräfin Irma, wie ſtrahlen Sie!“
Irma ſchlug die Augen nieder und kniete an der Wiege des Kindes. Ihre Augen waren ſo voll Glanz, daß das Kind nach ihnen griff.
„Er hat Recht,“ ſagte Walpurga,„er greift ſchon gern nach dem Licht, und ich meine, Ihre Augen ſind größer geworden.“
Irma ging mit Walpurga und entſchuldigte ſich bei ihr, daß ſie die Gſtadlhütte nicht beſucht habe. Sie erzählte dann von ihrer Freundin im Kloſter.
„Und wie geht's Ihrem Vater?“ fragte Walpurga.
Irma erſchrak; ſelbſt die Königin hat nach ihrem Vater nicht gefragt, nur Walpurga that es.
Sie erzählte von ihm, und daß er die Mutter der Walpurga kenne, und auch deren Bruder, der manch⸗
mal im Walde Pech ſiede.
„Ja, das iſt ein Bruder von meiner Mutter. Alſo den kennen Sie auch?“
„Ich nicht, aber mein Vater.“


