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„Biſt Du mir böſe, Vater?“
„Ich bin nie böſe, ich bedaure nur, daß ſo wenig Menſchen ſich von ihrer Vernunft regieren laſſen. Aber mein Kind, ſei ruhig, wenn dieſe Entſcheidung das Gebot Deiner Vernunft iſt, mußt Du ihm folgen. Trage nur ruhig alle Conſequenzen, wie ich ſie trage. Laß uns jetzt noch die wenigen Stunden in Friede und Ruhe beiſammen ſein. Die gegenwärtige Stunde iſt Leben.“
Irma gab dem Kammermädchen und dem Kabinets⸗ Courier noch mancherlei Anweiſungen, aber immer war's ihr, als ob ſie noch etwas vergeſſe und zurückließe, was ihr erſt einfallen würde, wenn ſie fort ſei.
Vater und Tochter ſaßen noch in trauter Gemein⸗ ſchaft beim Mittagstiſch. Der Wagen war gepackt, man ſchickte ihn eine Strecke voraus, er ſollte im Thale warten. Der Vater gab Irma das Geleite den Berg
hinab; er ſprach heiter mit ihr; bei einem Apfelbaum
am Wege ſagte er:
„Kind, hier laß uns Abſchied nehmen. Das iſt der Baum, den ich am Tage Deiner Geburt gepflanzt, er iſt oft die Grenze meines Abendganges.“
Sie ſtanden ſtill. Ein Apfel fiel vom Baum ins Gras zu ihren Füßen. Der Vater hob ihn auf und gab ihn ſeiner Tochter.
„Nimm dieſe Frucht mit von der heimathlichen Erde. Sieh, der Apfel löſt ſich ab vom Baum, weil er reif geworden, weil der Baum ihm nichts mehr geben kann. So auch der Menſch von Heimath und Familie. Aber der Menſch iſt mehr als eine Baumfrucht. Nun, mein
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