Teil eines Werkes 
1. Bd. (1866)
Entstehung
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Die Königin brachte ihren ſchnell hingeworfenen Brief in den Garten, es war ein fliegendes Siegel darauf; ſie übergab ihn dem König und ſagte:Willſt Du ihn leſen?

Iſt nicht nöthig, ſagte der König und ſchloß das fliegende Siegel.

Nachdem der Brief geſchrieben, war unter den Hof⸗ damen ein endloſes Kichern; das zwitſchert und ſchwatzt durcheinander und neckt ſich, und hüpft wie ein Trupp Sperlinge, die irgendwo einen aufgeſprungenen Korn⸗ ſack entdeckt haben. Bald zerſtreuen ſie ſich, und Damen, die ſich ſonſt gar nicht leiden mochten, ſind überaus gute Freundinnen, gehen Arm in Arm im Park auf und ab, und andere ſtehen zuſammen, man kann ſich heute nicht trennen, man hat ſich ſo viel zu ſagen; noch ſprechen Alle gut von Irma, noch iſt jede ihre beſte Freundin, aber durch eine kleine Seiten⸗ bewegung hält man ſich die Wege offen, es kann auch anders werden.

In wenigen Tagen hatten ſich Leben und Stim mung auf dem Sommerſchloſſe verändert. Der König und die Königin hatten ſich beim Wiederſehen begrüßt, als wären ſie neu vermählt, es war eine Glückſeligkeit ohnegleichen; bald aber trat wieder, oder jetzt eigent⸗ lich zum Erſtenmal ſcharf, eine Unzuträglichkeit heraus, die unumwunden mit Einem Worte bezeichnet iſt: die Königin war ihrem Gemahl langweilig. Er erkannte mit gerechter Würdigung ihre erhabene und edle Er⸗ ſcheinung, jedes ihrer Worte, jeder ihrer Gedanken iſt

Erguß der reinſten Empfindung; aber dieſe Gehobenheit,