Teil eines Werkes 
1. Bd. (1866)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

320

Kramer bewohnte, hörte man nichts von dem Lärm; es hieß nur: heute iſt wieder Alles ausgeflogen.

Der König war voll zarter Aufmerkſamkeit gegen ſeine Gemahlin, und ſchöner erſchien die Königin nie als jetzt, gehoben von Mutterglück und Gattenliebe.

Oft am Morgen, wenn der Tag noch friſch war, und am Abend, wenn milder Thau ſich niederſenkte, ſah man den König ganz ohne Begleitung mit ſeiner Gemahlin am Arm im Park luſtwandeln, der Hof hielt ſich dann in der Nähe des Schloſſes.

Eines Abends, als der König mit ſeiner Gemahlin im traulichen Geſpräch dahinwandelte, ſagte die Königin:

So an Deinem Arm iſt mir's ein Wonnegefühl, die Augen zu ſchließen und von Dir geführt zu werden, Du kannſt Dir nicht denken, wie wohl das thut.

Der König ſprach ſein Glück aus über dieſe Hin⸗ gebung, aber tief innen zuckte etwas und nannte dieſe Empfindungsweiſe unköniglich. Wie ganz anders wäre

Nein, das wollte er nicht denken.

Die Königin erzählte viel von den allmäligen Sinnes⸗

wahrnehmungen des Prinzen; der König hörte ihr auf⸗ merkſam zu, aber ſeine Aufmerkſamkeit war mehr Höf⸗ lichkeit. Schon nach der erſten Woche zog ſich die Königin von den vielen Ausfahrten zurück und blieb im Schloſſe, ſie hatte keine rechte Freude an der Unruhe.

Die Königin ließ Walpurga mit dem Kinde bald da, bald dorthin in den Park und auf die Anhöhe hinter dem Schloſſe kommen, wo ſie Baumgruppen, die Umgebung des Teiches mit den Schwänen, das Schloß, die Capelle und einzelne Fernſichten zeichnete.