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zugetraut, einer Erörterung zu folgen, nicht bloß einen Witzfunken zu haſchen, ließ ſie ſich wieder wie ein Schüler von der Hand des Meiſters willig führen und der Arzt verſtand es, ſie in treuer Folge zum Nach— denken ſeiner Gedanken zu bringen.
„Gnädige Gräfin“— ſagte ein herzutretender La⸗ kai, ein großer, ſtattlicher Mann mit ſtarker Habichts⸗ naſe und kohlſchwarzen Haaren,„gnädige Gräfin, Ihre Majeſtät die Königin erwarten Sie im Muſikſaale.“
Irma verabſchiedete ſich und der Arzt ſchaute ihr be— deutungsvoll nach. Bald hörte man vom Schloſſe her den Berghang hinab und weit ins Thal hinaus die volle metall⸗ reiche Stimme der Gräfin Irmengard von Wildenort.
„Auch Eberhard ſang einſt bezaubernd ſchön,“ ſagte der Leibarzt und lenkte ſeine Schritte nach dem Schloſſe. Er ſtutzte aber, da er den Domherrn, der heute die Meſſe geleſen, ebenfalls in den Muſikſaal eintreten ſah.
Der Morgen war ſo ſchön und lind, die weite Natur ſo ſelig in ſich; Alles grünt und wächſt und gedeiht in ſeinem Grunde, darin es wurzelt, und die Menſchen allein ſchaffen ſich neue Plagen. Wäre es möglich, daß die muthwillige Gräfin recht geſehen? Warum ſollte aber die Königin ihren angeſtammten Glauben verlaſſen wollen?
Der Leibarzt ſetzte ſich in eine Laube und las ſeinen Horaz.
Bevor es zur Mittagstafel ging, war der Hofarzt bereits da, und als man ſich zur Tafel ſetzte, fuhr er in einem Hofwagen ab, dem Gebirge zu.
Am Abend— er war mild und ſternhell— fuhr
Auerbach, Auf der Höhe. l. 2


