Zweites Capitel.
„Sie ſehen ja ſo ſtrahlend aus!“ ſagte die Hof⸗ dame Irma, die dem Leibarzt begegnete.
„Es mag wohl ſein,“ erwiderte der Leibarzt,„denn ich habe dem Göttlichen, ich habe einer reinen Men⸗ ſchenſeele ins Antlitz geſehen— Entſchuldigen Sie einen Augenblick!“ unterbrach er ſich, ging in das Neben⸗ gebäude und gab dem Telegraphiſten den Auftrag, ſo⸗ gleich dem Hofarzt die Meldung zu machen, daß er ſich zu einer achttägigen Reiſe vorbereiten und hierher kom⸗ men ſolle; dann trat er wieder hinaus zu der Hofdame, und erzählte ihr von dem, was vorgegangen.
„Soll ich Ihnen meine Meinung ſagen?“ fragte die Gräfin.
„Sie wiſſen, daß man darauf nie mit Nein ant⸗ wortet.“
„Nun denn, ſo muß ich Ihnen ſagen: In alten Zeiten war's viel ſchöner; da wurden die Königskinder auf einer einſamen Pfalz geboren. Still wie ein Ge⸗ heimniß—“
„Sie ſind doch in Allem,“ unterbrach der Arzt,„das echte Kind Ihres Vaters. Mein guter Eberhard war in ſeinen jungen Jahren auch voll toller Laune, da⸗ bei hatte er aber eine Verſchämtheit, die oft plötzlich überraſchte.“
„Ach, erzählen Sie von meinem Vater! Ich weiß ſo wenig von ihm.“
„Ich ja auch ſeit vielen Jahren— Sie wiſſen doch, daß er völlig mit mir gebrochen, weil ich am Hofe
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