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„Und welches Leid wollteſt Du klagen?“
„Es quält mein Gewiſſen, einem andern Kinde
ſeine Mutter zu entziehen. Wenn das auch Tauſende ſchon lange thun— wer ein Unrecht begeht, thut es allein für ſich und thut es zum Erſtenmal auf der Welt. Doch ich füge mich. Davon aber gehe ich nicht ab: nur eine verheirathete brave Frau aus einer ehr⸗ baren Familie darf Nährmutter meines Kindes ſein. Ich hätte keinen Frieden im Gewiſſen, wenn ich einem ohnedieß ſchon verlaſſenen Kinde ſein Einziges noch nähme: die Mutter. Ich frage jetzt nichts nach Welt⸗ einrichtungen und feſtgeſetzten Geltungen. Das arme verlaſſene Kind, das in eine feindliche Welt geſetzt iſt, ſoll dem auch noch der einzige Liebesquell entriſſen werden? Nehmen wir aber eine verheirathete rechtſchaf⸗ fene Frau, ſo entziehen wir auch da noch einem Kinde ſeine Mutter und ſchädigen ein fremdes Leben— es iſt hart, daß Jeder trotz beſſeren Wiſſens Unrecht thun muß.— Doch ich füge mich der Nothwendigkeit. Das Kind aber der Mutter, die wir uns nehmen, ſteht unter dem Schutz der Familie, hat einen Vater, vielleicht eine brave Großmutter und ſorgliche Geſchwiſter; ein Liebesdach ſchirmt das kleine Haupt—“
„Majeſtät!“ rief der Arzt voll Begeiſterung.„Maje⸗ ſtät, in dieſem Augenblicke wird in tauſend und tau⸗ ſend Kirchen für Sie gebetet und Millionen Stimmen ſagen Amen!“
„O Gott, welche Pflichten legt das auf! Man ſollte mehr als ein Menſch ſein, um das zu tragen—
mich drückt es nieder.“


