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trug ein einfaches hellfarbiges Sommerkleid, eine offene lockere Jacke und darunter die bauſchige Chemiſette; ein mit Stahlknöpfen beſetzter naturfarbener Leder⸗ gürtel umſpannte die Taille; ihre Bewegungen waren geſchmeidig, der Ausdruck ihres Geſichts halb ſchalkhaft, halb ernſt.„Darf man wiſſen,“ fragte ſie den Leib⸗ arzt,„darf man wiſſen, welch' ein Buch Sie für würdig hielten, an dieſem ſchönen Morgen im Freien geleſen zu werden?“
„Es war würdig geleſen zu werden, wurde aber nicht geleſen,“ erwiderte der Arzt, und reichte ein kleines Buch hin. Es war Horaz.
„Ach— Lateiniſch!“ ſagte die Hofdame, ihre Stimme hatte etwas Helles und Keckes, wie das Schmettern des Buchfinken.„Lateiniſch— das iſt alſo Ihre Meſſe!“
Der Leibarzt erklärte mit kurzen Worten, wie glücklich die Alten waren, in einem ſo wenig umfangreichen Buche einen gedrungenen und dauernden Inhalt zu geben. Man trat in den Saal und ſetzte ſich nach Belieben, da es beim Frühſtück keine Rangordnung gab. Ueberhaupt war man auf dem Lande, wo man die Uniform abgelegt hatte, auch mancher Beſchwerniß der Etikette erledigt.
Nichts Wohlgemutheres, als eine Geſellſchaft heiterer und freier Menſchen beim Frühſtück; die ganze Wunder⸗ macht der Schlafesſtärkung iſt noch in den Menſchen; ſie waren allein, jetzt ſind ſie inſam; auf der
ganzen Empfindung ruht etwas wie S
Beim Frühſtück waren keine
ueen, die


