Teil eines Werkes 
1. Bd. (1866)
Entstehung
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Morgenhaube mit blauem Bande auf dem Kopfe. Das leiſe geröthete helle Antlitz mit dem reichen blonden Haar ſtrahlte von Jugend und Schönheit; ſie erſchien wie der leibhaftige helle Tag.

Der Leibarzt hörte das Rauſchen des Gewandes, ſtand raſch auf und verbeugte ſich.

Guten Morgen, lieber Geheimrath! rief die Dame, der noch zwei andere wenige Schritte hinter ihr folgten; ihre Stimme klang nicht hell, es war etwas darin von jenem zu Herzen ſprechenden Violon⸗ cellton, der nicht für laute Freude, um ſo mehr aber zum Ausdruck des Innigſten geſtimmt iſt.

Ein herrlicher Tag, fuhr die Dame fort,aber doppelt traurig, wenn man ihn im Krankenzimmer verbringen muß. Wie geht es unſerer Gräfin Brinkenſtein?

Majeſtät, die Frau Oberhofmeiſterin darf heute eine Stunde im Freien zubringen.

Das freut mich herzlich. Ach, es iſt ſo wunderſam ſchön hier und da ſollte Niemand traurig oder krank ſein.

Die Frau Oberhofmeiſterin iſt beſonders glücklich, jetzt, wo ſchöne Pflichten ihrer warten, ſolche nun voll⸗ kommen erfüllen zu können.

Sprechen wir leiſe, ſagte die Khnigin plötzlich, denn in der Kapelle war die Orgel verſtummt und das Geheimniß der Wandlung ging vor ſich.Ach, lieber Geheimrath, ich möchte Ihnen etwas anvertrauen.

Die beiden Damen zogen ſich weiter zurück und die Königin ging mit dem Leibarzt auf dem freien Platz vor der Kapelle auf und ab.