Druckschrift 
Der Bastard oder eine Mutter aus dem Volk und der Mann von Adel. 3. Bd.
Entstehung
Düsseldorf [o.J.]
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und

allem Ernſte, Laura, der Verſuch muß gemacht werden, den gei⸗ zigen Onkel zu verſöhnen. Mit den tauſend Thalern reicht ihr nicht weit, und Bertram darf nicht ſein ganzes Leben lang der Gehülfe Andrer bleiben. Er muß ſelbſtſtändig werden und dazu gehört vor allen Dingen, daß man den Leuten Sand in die Augen zu ſtreuen verſteht.

Das hat Bertram doch nicht nöthig, er iſt Geometer, und kennt ſein Fach!

Nicht nöthig? Der beſte Künſtler muß es thun, heutzutage kommt nur der Schwindler vorwärts. Blicken Sie, wohin Sie wollen, überall werden Sie Schwindel und Gaunerei finden. Wer etwas gelten will, muß auſtreten, wie ein Millionär, wenn er auch mehr Schulden, wie Haare auf dem Kopfe hat. Elegant eingerichtete Räume, Equipage und Livreebediente und dabei ein recht unverſchämtes, hochmüthiges Auftreten täuſchen Jeden.

Laura hatte die Hände in den Schooß gelegt, befremdezblickte ſie den alten Mann an. und Sie meinen, ſo müſſe auch Bert am auftreten? fragte ſie.

Wenn auch nicht ganz ſo, dann doch annähernd. Und der alte Schwanenthal iſt ein reicher Mann, er könnte die Mittel dazu hergeben.

Das wird er nimmermehr thun. Er würde ſagen, das ſei Verſchwendung!

Na, dann müſſen Sie ſich auch darauf gefaßt machen, daß Sie ſich niemals aus dem Staube erheben werden.

Wenn unſer Einkommen nur hinreicht, die Ausgaben zu

decken, ſo wollen wir gerne zufrieden ſein.

Allermals eine Redensart, ſchöne Freundin! Steigt das Einkommen, ſo ſteigen auch die Bedürfniſſe, und ſo gruß auch das Einkommen werden mag, immer werden Wünſcheunerfüllt bleiben. Der Menſch iſt nun einmal ſo geartet, er kann niemals ganz zu⸗ frieden geſtellt werden, und drücken ihn keine Nahrungsſorgen, ſo ſchafft er ſelbſt ſich Sorgen, ohne ſie hat das Leben keinen Reiz.

Das Mädchen mußte lächeln.

Und welche Sorgen machen Sie ſich in dieſem Augenblick? fragte ſie.