Druckschrift 
Der Bastard oder eine Mutter aus dem Volk und der Mann von Adel. 3. Bd.
Entstehung
Düsseldorf [o.J.]
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Nicht mehr? Sollten Sie wirklich nach ſo ſchönen und ruhm reichen Erfolgen ſchon ſo frühe entſagt haben?

Und weshalb nicht? erwiderte Madame Winkel achſel⸗ zuckend.Das heitere Völkchen der Theaterwelt wird in der Regel verkannt. Man glaubt, es führe ein recht ungebundenes Leben im glücklichen Leichtſinn, es gewinne dem Leben nur die heiterſten Seiten ab und kenne weder Sorge noch Aerger. Hinter die Couliſſen blicken Wenige, alſo ſehen ſie die Dornen nicht, die in die Lorbeerkränze hineingeflochten ſind. Sie wiſſen nichts von dem Neid, der Mißgunſt und dem Hader dieſes Völkchens unter⸗ einander, ſie ſehen beim ſtrahlenden Lampenlicht nur die goldnen Flitter und haben keine Ahnung von den Lumpen, die unter ih⸗ nen ſich verbergen. Nein, Herr Baron, ich war's herzlich ſatt, als ich mir ſo viel erſpart hatte daß ich ruhig in die Zukunft blicken konnte, zog ich mich von der Bühne zurück.

Es war vielleicht das Klügſte, was Sie thun konnten!

Jedenfalls war es das.

Aber Sie werden doch Manches entbehren

Anfangs wohl, Herr Baron, jetzt aber nicht mehr. Ich habe gefunden, daß man Vieles entbehren kann, wenn man es ernſt⸗ lich will.

Baron Udo nickte zuſtimmend, er mußte an ſeine eigenen Ver⸗ hältniſſe denken, auch ihm wurden jetzt Einſchränkungen und Entbehrungen auferlegt, an die er früher nicht gedacht hatte.

Hat Baron Edmund nicht ſchon vor mehreren Jahren ſeine Gemahlin verloren? fragte Madame Winkel.

Kurz nach ſeiner Flucht, erwiderte der Baron.

Und er hat nicht wieder geheirathet?

Nein. Veranlaßt Sie ein beſonderes Intereſſe dieſe Fragen an mich zu richten?

Madame Winkel ſchlug verwirrt die Augen nieder.

Das nicht, erwiderte ſie,Baron Edmund intereſſirte ſich damals für das Theater, er war in unſern Kreiſen ſehr beliebt und angeſehen.

Die Brauen des alten Herrn zogen ſich zuſammen, es war ihm peinlich, daß der Name des Majoratsherrn von ſolchen Lippen genannt wurde.