Druckschrift 
Der Bastard oder eine Mutter aus dem Volk und der Mann von Adel. 2. Bd.
Entstehung
Düsseldorf [o.J.]
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Muß man nicht unwillkührlich ſich des herrlichen Gedichts erinnern, wenn der Blick auf jenes düſtere Schloß fällt? er⸗ widerte ſie.

Gewiß, nickte Miß Cleveland mit freundlichem Lächeln. Sie citiren den düſtern neunten Geſang des Gedichts, weshalb

wählen Sie gerade ihn?

Iſt nicht das ganze Gedicht ſo düſter wie Schloß Chillon ſelbſt?

O, nein! Welche Hoffnung ſpricht ſich im zehnten Geſange aus! Kennen Sie ihn noch?

Ein Lichtſtrahl fiel auf mich hernieder Ein Vöglein war's, das fröhlich ſang, Jetzt ſchwieg es, dann begann es wieder, So ſüß, wie's nie dem Ohre klang.

Mein Auge war des Dankes voll,

Bis es von Thränen überſchwoll,

So daß ich in dem Augenblick

Nicht ſah mein jammervoll Geſchick; Allmälig wurden erſt die Sinne

Dumpf des Gewohnten wieder inne,

Ich ſah des Kerkers Wall und Thor Rings langſam wieder, wie zuvor.

Ich ſah, wie ſich der Sonne Schimmer Hereinſtahl, ſchüchtern ſo wie immer,

Doch durch den Spalt, woher es kam, Schlüpft auch das Vöglein traut und zahm, Viel zahmer, als im grünen Hag;

Ein Vögelchen mit blauer Schwinge, Seine Lieder zählte tauſend Dinge,

Und mir nur, meint' ich, galt ſein Schlag!

Signora, in der Bewunderung dieſes großen Dichters ſtim⸗ men wir überein, ſollte es nicht auch in and eren Dingen der Fall ſein?

Die treuherzigen Augen der alten Dame ruhten voll herz⸗ licher Theilnahme auf dem ſchönen Antlitz Arabellas, die leicht erröthend die Wimpern ſenkte.

Ich will zugeben, daß es Geheimniſſe gibt, die das Men⸗ ſchenherz Niemandem anvertrauen mag, fuhr Miß Cleveland fort,und fern ſei es von mir, mich in die Geheimniſſe Ihres Herzens eindrängen zu wollen, aber laſſen Sie's offen mich ge⸗

ſtehen, daß