Baron Udo wiegte gedankenvoll das Haupt.
„Unſer Leben ſteht in Gottes Hand,“ und jedem Menſchen⸗ leben iſt das Ziel feſtgeſetzt, daran läßt ſich nichts ändern.“
„Frlaube, Papa, darin bin ich nicht Deiner Meinung,“ warf Bruno ein, aber der ernſte, verweiſende Blick des Vaters, bewog ihn, ſeine eigene Meinung nicht auszuſprecheu.
„Jeder mag darüber ſeine eigene Anſicht haben,“ erwiderte der Majoratsherr in entſchiedenem Tone,„ich halte feſt an der meinigen, und es wäre verlorene Mühe, ſie erſchüttern zu wollen. Wir kamen alſo hieher und fanden den Vater tief gebeugt. Er hat ſich nie wieder von dem furchtbaren Schickſalsſchlage ganz erholt. Und nicht lange darauf ſtarb Deine Mutter, bald nach⸗ dem ſie Dir das Leben gegeben hatte, Klara; ich reiſte zur Be⸗ erdigung hin, und brachte bei meiner Heimkehr Dich mit.“
„Und alle die Liebe, die ich hier gefunden habe, möge Gott Euch vergelten,“ ſagte Klara tief bewegt, während ſie ſich an die Baroneſſe anſchmiegte und dem Onkel einen Blick voll tiefgefühl⸗ ten Dankes zuwarf.
Auf den jungen Herrn ſchien dieſe Scene nicht den geringſten Eindruck zu machen, glitt doch gerade jetzt ein ſpöttiſches Lächeln flüchtig über ſein Antlitz.
„Und wenn nun Alles geſchehen und erſchöpft iſt, um den Verſchollenen ausfindig zu machen, ſo hat doch die Beſorgniß, daß er zurückkehren könnte, jetzt keine Berechtigung mehr,“ ſagte er, während er die erloſchene Cigarre wieder anzündete, und ſich behaglich in den Seſſel zurücklehnte.
„Du nennſt das Beſorgniß?“ fragte Baron Udo vorwurfs⸗ voll.„Ich bin in jeder Stunde bereit, den rechtsmäßigen Majo⸗ ratsheurn in ſeine Rechte einzuſetzen, und ſo lange ich nicht die volle Gewißheit habe, daß Edmund wirklich das Zeitliche geſegnet hat, betrachte ich mich hier nur als den Verwalter meines Bru⸗ ders. Das iſt meine Pflicht, die ich erfüllen werde bis zu meinem letzten Athemzuge.“
„Aber wenn Alles geſchehen iſt, was geſchehen konnte, dann kann Dir Niemand den Vorwurf machen, Du habeſt Deine Pflicht nicht erfüllt!“
Und macht das eigene Gewiſſen ihn mir, ſo iſt das ſchiimmer als enn die ganze Welt ihn mir machte!“ erwiderte der Majorals—


