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ein Menſch, dem nichts heilig war, ein Raufbold, dem Jeder aus dem Wege ging, ſo lange die Verhältniſſe es geſtatteten. Einer verarmten adligen Familie entſproſſen, lebte er von der Gnade ſeiner Verwandten und von dem, was er im Spiel gewann; ar⸗ beiten wollte er nicht, und in die Armee konnte er nicht eintreten, kein Offiziercorps würde ihn aufgenommen haben. Dieſer Burſche wußte keine andere Rache zu nehmen, als daß er öffentlich im Beiſein Edmunds die Ehre Deiner Mutter in Zweifel zog. Die Folge dieſer Beleidigung war eine Herausforderung. Edmund konnte nicht anders, er mußte dieſen Weg wählen, um die tief⸗ gekränkte Ehre ſeiner geliebten Gattin zu vertheidigen. Und in dieſem Duell hatte Edmund das Unglück ſeinen Gegner zu tödten.“
„Eutſetzlich!“ flüſterte Klara erſchüttert.
„Edmund flüchtete, er wäre beſſer geblieben, ein Jahr Feſtungs⸗ haft ließ ſich ertragen, dann war die Schuld geſühnt für alle Zeiten. Er zog die Flucht vor, und auf dieſer Flucht kam er noch einmal in das Schloß ſeines Vaters. Der alte Herr war auf der Jagd, dem Flüchtling fehlten die Mittel, die Reiſe fort⸗ zuſetzen, er nahm ſie aus der Kaſſe ſeines Vaters, die Zeit drängte, er durfte die Heimkehr des alten Mannes nicht abwarten. Und von dieſer Stunde war er verſchollen.“
„Man hat nie wieder etwas von ihm gehört?“ fragte Bruno, tief aufathmend, als ob ihm eine ſchwere Laſt von der Seele genommen ſei.
„Nie,“ erwiderte der Majoratsherr.„Kein Brief traf von ihm ein, in keiner Zeitung fanden wir jemals eine Notiz über ihn und Niemand gab uns Nachricht. Wir haben uns ſpäter, nachdem einige Jahre verſtrichen waren, alle Mühe gegeben, ſeinen Aufenthaltsort zu erforſchen, aber die Mühe war vergeblich.“
„Und meine Mutter?“ fragte Klara erwartungsvoll.
„Sofort nach jenem Ereigniß ſchrieb mein Vater mir. Er bat mich, meinen Abſchied zu nehmen und fortan bei ihm zu wohnen, ich konnte die Erfüllung dieſer Bitte ihm nicht verweigern.“
„Hätten wir es nicht gethan,“ ſeufzte die Baroneſſe, auf deren blaſſen Wangen eine Thräne langſam niederrann.„Ich war damals nicht damit einverſtanden, und wären wir in der Reſidenz geblieben, ſo hätten wir unſere Cäcilie, das theure, heißgeliebte Kind, nicht verloren.“


