Druckschrift 
Der Bastard oder eine Mutter aus dem Volk und der Mann von Adel. 1. Bd.
Entstehung
Düsseldorf [o.J.]
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reſſen ſeiner Herrſchaft als ſeine eignen Intereſſen. Hat er nur Andeutungen gemacht, ſo kann man ihm das hingehen laſſen. Aber laßt mich zu meinem Thema zurücktehren. Mein Vater hatte für den künftigen Erben des Majorats die Gattin bereits gewählt, und wenn Edmund nur in dieſem Punkte ein gehor⸗ ſamer Sohn geweſen wäre, ſo würde er durch ſeinen Gehorſam volle Verzeihung erhalten haben. Aber auch hier trat er dem Willen des Vaters entgegen, auch er hatte eine Wahl getroffen und war es auf der einen Seite ehrenvoll, daß er ſein Wort nicht brechen wollte, ſo mußte es auf der andern Seite un⸗ klug genannt werden, daß er ſo ſchroff und trotzig auftrat. Hätte er ernſte Reue gezeigt und um Verſöhnung gebeten, ſo würde der alte Herr endlich doch nachgegeben haben, denn war auch Deine Mutter, Klara, unbemittelt, ſo ſtand ihre Familie doch im Range der unſerigen gleich, und kein Makel ruhte auf ihrem Namen. Zwei harte Steine mahlen niemals gut, und die Barone von Oſthofeu haben alle von ihren Altvordern den trotzigen Sinn und den unbeugſamen Willen geerbt. Der Trotz Edmunds er⸗ bitterte den Vater, die Kluft wurde immer tiefer und weiter, Niemand bot ſeine Vermittlung, die wohl auch von keiner Seite angenommen worden wäre, und ſo ſchieden Vater und Sohn von⸗ einander, ohne vielleicht zu ahnen, daß es ein Abſchied auf Nimmer⸗ wiederſehen war. Edmund führte ohne die Einwilligung und den Segen ſeines Vaters die Braut heim, und ich will dabei nicht verſchweigen, daß er jene verderdliche Bahn des Leichtſinns ver⸗ laſſen hatte, daß er ein Andrer geworden war.“

„Die Liebe meiner Mutter hatte ihn auf den beſſern Weg zurückgeführt,“ ſagte Klara leiſe, die der Arm der Baroneſſe leicht umſchlungen hielt.

„Du haſt Recht,“ fuhr Baron Udo fort„und im Laufe der Zeit würde wohl auch die Verſöhnung zwiſchen Vater und Sohn erfolgt ſein, wenn nicht ein anderes, unerwartetes Ereigniß in das Glück und den Frieden des jungen Ehepaares ſo tief ein⸗ geſchnitten hätte. Dié früheren Zech⸗ und Spielgenoſſen Edmunds konnten ihm nicht verzeihen, daß er ihnen den Rücken gewandt hatte, und da er allen Verlockungen männlich widerſtand, ſo ver⸗ ſuchten ſie anderes Mittel, ſich an ihm zu rächen. Die Gelegenheit dazu fand ſich bald. Unter jenen ehemaligen Genoſſen befand ſich