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dem ich das väterliche Schloß verlaſſen hatte, ſah ich ihn nur einmal flüchtig wieder, war dieſe Seltenheit einer Begegnung Abſicht oder Verhängniß, ich weiß es heute noch nicht. Kam ich nach Oſthofen, ſo war Edmund mit ſeinem Hofmeiſter auf Reiſen, und die Stadt, in der ich lebte, berührte mein Bruder niemals. Ich darf wohl annehmen, daß dies das Werk des Hofmeiſters war, der uur zu wohl wußte, wie ſehr ich ihn verachtete. Später trat ich in die Armee ein, wurde Offizier, heirathete ſehr früh und kam erſt dann wieder nach Oſthofen, als Edmund bereits Europa verlaſſen hatte. Selbſt auf meiner Hochzeit fehlte mein Bruder, Du wirſt Dich noch erinnern, Adelaide, mit welchen nich⸗ tigen Gründen er ſich brieflich entſchuldigte.“
„Und Dein guter Vater war empört darüber,“ erwiderte die Baroneſſe.
„Der Bruch war damals ſchon erfolgt, und der trotzige Eigenſinn Edmund's geſtattete nicht, die Kluft zu überbrücken, die zwiſchen ihm und ſeinem Vater lag. Dank der Erziehungs⸗ methode des Hofmeiſters hatte Edmund ſchon früh einen Weg betreten, der zum Ruin führen mußte. Er war in eine Geſell⸗ ſchaft hineingerathen, in der er nichts Gutes lernen konnte, und zu ſchwach der Verſuchung zu widerſtehen, vergeudete er im Spiel ſo bedeutende Summen, daß unſer Vater ihm endlich ein kate⸗ goriſches Halt! zurufen mußte. Vielleicht mag die Art und Weiſe, in der es that, auch nicht die richtige geweſen ſein, ſo daß durch dieſes Halt der Trotz geweckt wurde, in keinem Falle konute aber unter den obwaltenden Verhältniſſen das Zerwürfniß ausbleiben Es thut mir weh, Klara, daß ich das Alles Dir ſagen muß, aber es iſt beſſer, daß ich es Dir mittheile, als daß Andere es Dir berichten, die es mit weniger Schonung thun würden.“
„Manches wußte ich ſchon aus Andeutungen, die der Ver⸗ walter mitunter mir gab,“ erwiderte Klara, auf deren Stirne eine leichte Falte ſich zeigte.
„Dazu hatte Wortmann durchaus keine Berechtigung,“ ſagte Bruno unwillig,„was gehen denn ihn die inneren Angelegen⸗ heiten unſerer Familie an?“
„Wortmann iſt ſeit dreißig Jahren in unſern Dienſten,“ ent⸗ gegnete der Majoratsherr ruhig,„er hat in dieſem langen Zeit⸗ raume Manches erlebt, und ein alter Diener betrachtet die Inte⸗


