Druckschrift 
Der Bastard oder eine Mutter aus dem Volk und der Mann von Adel. 1. Bd.
Entstehung
Düsseldorf [o.J.]
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In dem Geſpräch war eine Pauſe eingetreten, und als der Majoratsherr nun das Schweigen wieder brach, hefteten ſich die Blicke aller Anweſenden voll geſpannter Erwartung auf ihn.

„Es muß ſein, Adelaide,“ ſagte er,„ich bin dieſe Mitthei⸗ lungen unſerer Klara, der Tochter meines Bruders ſchuldig. Es kann ja nicht ausbleiben, daß das, was ich ihr jetzt berichten will, einſt von anderer Seite ihr mitgetheilt wird, und wer weiß, mit welchen Zuſätzen und Entſtellungen es dann geſchieht. Ueber⸗ dies iſt es noch immer keine feſtſtehende Thatſache, daß mein Bruder Edmund, der eigentliche Majoratsherr von Oſthofen, nicht mehr unter den Lebenden weilt.“

„Ich glaube, daran darf wohl nicht mehr gezweifelt werden udo,“ ſchaltete die Baroneſſe ein, während Bruno den Vater be⸗ troffen anblickte.„Seit dem Ableben Deines Vaters haſt Du alljährlich in allen Zeitungen den verſchollenen Bruder aufge⸗ fordert, in die Heimath zurückzukehren und das Majorat zu übernehmen, Du haſt alle Conſuln in den fremden Welttheilen gebeten, dem Verſchollenen nachzuforſchen, aber alle Schritte blieben erfolglos.“

„Und glaubſt Du daraus den Schluß ziehen zu dürfen, daß

. Edmund das Zeitliche geſegnet haben muß?“ fragte der Majo⸗ rathsherr mit ernſter Ruhe.„Gewiß nicht, Adelaide, dieſe Schlußfolgerung wäre übereilt. Meine Aufforderung iſt vielleicht bis zur Stunde noch nicht in ſeine Hände gekommen, ein Zufall, oder nennen wir es beſſer das Walten der Vorſehung, kann ihm

plötzlich Kenntniß davon geben, und dann wird er nicht ziget. 3 dieſer Aufforderung Folge zu leiſten.— Aber die Kinder ver⸗ ſtehen uns nicht,“ unterbrach er ſich ſelbſt,„und ich glaube, es wäre längſt meine Pflicht geweſen, ſie von den vergangenen Er⸗ eigniſſen in unſerer Familie zu unterrichten,— möge es denn jetzt geſchehen.“

„Wenn die Erinnerung an dieſe Ereigniſſe Dir ſchmerzlich iſt, lieber Onkel, dann bitte ich, ſie nicht zu wecken,“ ſagte Klara, „ich will ja gerne darauf verzichten.“

Ein leiſer Aerger ſpiegelte ſich in dem Blick, den Bruno ſeiner ſchönen Couſine zuwarf, er war nicht geneigt, auf die Be⸗ friedigung ſeiner Neugier Verzicht zu leiſten.

„Wir waren zwei Söhne, Edmund und ich,“ begann Baron