Druckschrift 
Der Bastard oder eine Mutter aus dem Volk und der Mann von Adel. 1. Bd.
Entstehung
Düsseldorf [o.J.]
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ungeſtörter Harmonie zu einem lieblich idylliſchen Landſchaftsbilde, deſſen Vordergrund das Schloß mit ſeinen Gärten bildet.

Und in der hellen, freundlichen Erkerſtube dieſes Schloſſes

war an dieſem Vormittage die Familie des Majoratsherrn von Oſthofen verſammelt. Baron Bruno von Oſthofen lag mit vornehmer Läſſigkeit in einem Fauteuil und blickte mit der Gleichgültigkeit eines Menſchen, der ſich mit nichts Beſſerem zu beſchäftigen weiß, den blauen Rauchwölkchen nach, die langſam zu der hohen Decke des Gemachs emporſchwebten.

Auf dem mit rother Seide überzogenen Divan ſaßen zwei Damen, Baroneſſe Adelaide von Oſthofen, und die Couſine Bruno's, Klara von Oſthofen, während Baron Udo von Oſthofen, der Majoratsherr und das Haupt der Familie, am Fenſter ſtand und gedankenvoll auf den Garten hinunterſchaute, den der Früh⸗ ling mit ſeinen erſten Blüthen reich geſchmückt hatte.

. Baroneſſe Adelaide war eine ſtattliche Dame, eine Erſcheinung

voll Hoheit und Würde, aber der ſchmerzlich⸗wehmüthige Zug, der § ihre Lippen ſtets umſpielte, ließ errathen, daß ihr vergangenes Leben ein tiefer Kummer durchzogen hatte.

Von dem ganzen Zauber jugendlichen Liebreizes unfloſſen er⸗ ſchien Klara neben ihr, wie eine halberſchloſſene Knospe neben der vollen, aufgeblühten Roſe. In ihren tiefblauen Anugen ſpie⸗ gelte ſich noch die reine, unſchuldvolle Seele des Kindes, deſſen Weg bisher auf Blüthenpfaden durch das Leben führte.

Heiter und ſorglos blickten dieſe ſchönen Augen in die Welt hinein, und wer in ihre unergründlichen Tiefen hineinſchaute, der fand in ihnen Herzenstreue und Edelmuth und ein inniges, ſin⸗ niges Gemüth, das ſich für alles Hohe, Schöne und Gute be⸗ geiſterte.

Der Majoratsherr war in mancher Beziehung das Ebenbild

ſeines Sohnes. Sein Körperbau war nur etwas kräftiger, die Haltung, die den einſtigen Offizier erkennen ließ, ſtrammer, Haar und Schnurrbart zeigten eine hellere Färbung, und der Ausdruck der fein geſchnittenen, ariſtokratiſchen Züge war ernſter, er zeugte ebenfalls von herben Erfahrungen, von ſorgenreichen Tagen, der niederdrückende Laſt er wohl gemeinſam mit ſeiner Gattin ge⸗ tragen hatte.