20
„Würdeſt Dn das an meiner Stelle wirklich thun?“
„Natürlich! Der Aerger macht den Menſchen gallig und ver⸗ biſſen, ich könnte mich auch über Vieles ärgern, zum Beiſpiel über den Herrn Friedrich Wortmann, den Verwalter des Barons von Oſthofen, der ſeine kleine Tochter hütet wie ſeinen Augapfel und den armen Bildhauer— ah, bah, ich erzähle Dir das ſpäter einmal, jetzt wollen wir anſtoßen und den Humpen leeren auf Deinen glänzenden Sieg! Vivat sequens, Bruderherz?“
Mechaniſch ergriff Willy den vollen Humpen, wie geiſtesabweſend ſchweifte ſein Blick hinaus in weite, weite Fernen, als ob er die Zukunft ergründen wolle, und tief aufathmend ſtieß er mit dem Freunde an, der mit heiterem Lächeln ihm zunickte.
2. Kapitel. Geheimniſſe des Ballaſtes.
Wenn man die Stadt, deren Schauplatz unſere Erzählung bildet, auf der ſüdlichen Seite verläßt und die lange mit ele⸗ ganten Villen und geſchmackvollen Gärten geſchmückte Vorſtadt durchſchritten hat, gelangt man nach einer halbſtündigen Wande⸗ rung an die alte Linden⸗Allee, die zum Schloſſe der Familie von Oſthofen führt.
In dem gefälligen Style der edelſten Renaiſſance erbaut, liegt dieſes Schloß inmitten eines parkartigen Gartens, der mit ſeinen Statnen und Springbrunnen, ſeinen ſchattigen Voskets und duf⸗ tenden Blumenbeeten einen entzückenden Anblick bietet.
Der dunkle ſchattige Park im Hintergrunde mit den mächtigen Wipfeln hundertjähriger Buchen, und die Oekonomiegebäude ſeit⸗ wärts mit dem freundlichen Wohnhauſe des Verwalters, dahinter
die ſaſtig grünen Wieſen und wohlbeſtellten Felder us denen
hie und da eine Gruppe breitäſtiger Obſtbäume ſich erhebt und in der Ferne die blaue Gebirgskette, das Alles vercinigt ſich in
ung


