Druckschrift 
Der Bastard oder eine Mutter aus dem Volk und der Mann von Adel. 1. Bd.
Entstehung
Düsseldorf [o.J.]
Einzelbild herunterladen

b

kummert es Dich! Gehe Du energiſch Deinen Weg und laß Dich nicht beirren durch das Gerede boshafter Menſchen, die über die Splitter in den Augen Anderer richten, aber den Balken im eigenen Auge nicht ſehen.

Wie leicht das Alles geſagt iſt! erwiderte Willy, während er langſam auf und ab wanderte.Der Fluch der Geburt wird auf mir ruhen bleiben, ſo lange ich lebe, er wird meine ſchönſten Vorſätze durchkreuzen

Ach was, wer wird ſo ſchwarz in die Zukunft blicken! Wenn

Dich der Muth verlaſſen will, ſo flüchte zu Deinen Freunden, zu

Deiner Mutter, zu Arabella und zu mir, wir werden Dir ſchon den Kopf wieder zurechtſetzen. Ja, wenn ich ſtets auf das Ge⸗ ſchwätz der Menſchen hätte hören wollen, dann arbeitete ich getroſt noch im Atelier meines pedantiſchen Lehrmeiſters. Der gute Mann konnte und wollte es nicht billigen, daß ich von den althergebrachten Formen abwich und neue ſchuf, wenn er auch zugeben mußte, daß dieſe neuen gefälliger, edler und eleganter waren. Hellmuth Waldſtern, ſagte er eines Tages zu mir, Du wirſt nie ein Meiſter in der Bildhauerkunſt werden, ich erlebe es noch, daß Du als verkommenes Genie wie der Maler Auerbach die Werkſtätten Deiner Freunde unſicher machſt und von der Barmherzigkeit Anderer lebſt! Ich aber habe ihm in's Geſicht gelacht und jetzt iſt er längſt anderer Meinung geworden. Man muß den Menſchen zeigen, daß man auf ſeinen eigenen Füßen ſeſtſteht, nur dadurch imponirt man ihnen! Her mit dem Krug und nun fort mit allen Grillen und Sorgen!

Willy ſchüttelte mit gedankenvoller Miene das Haupt, während Fein Freund die Humpen füllte.

Ich muß die Wahrheit erfahren, ſagte er,erſt dann wird es wieder ruhig in meinem Innern werden. Meine Mutter darum zu bitten, wäre vergebliche Mühe, und die alten Wunden möchte ich auch nicht wieder anfreißen, ich werde den Baron zur Rede ſtellen!

Und was erreichſt Du dadurch? fragte Hellmuth achſel⸗ zuckend.Neuen Hohn, beißende Bemerkungen, die Dir die Galle in's Blut treiben. Laß' das, geh' über die Sache hinweg, wie man über ſo manches Unangenehme im Leben hinweggehen muß, wenn's einmal nicht zu ändern iſt. 2*