„Ich will nur eine Frage an Dich richten, würdeſt Du einem
Baſtard Deine Freundſchaft ſchenken?“ Hellmuth konnte ſein Befremden über dieſe Frage nicht ver⸗
bergen, aber im nächſten Augenblicke lachte er laut auf. „Welcher Vogel hat Dir das vorgeſungen?“ fragte er ironiſch „Du weißt alſo ſchon, daß ich—“
„Bruderherz, mache Dir darum keine Sorgen! Was kümmert's mich, wem Du Dein Daſein verdankſt, mir genügt's, daß Du uberhaupt da biſt und mich Deiner Freundſchaft werth hältſt, die Freundſchaft eines edlen Menſchen ehrt Denjenigen, der ſich ihrer erfreuen darf. Da haſt Du meine Hand, Willy, wir wollen Freunde bleiben auf Tod und Leben. Und jetzt ſende Deinen Farbenreiber oder einen andern dienſtbaren Geiſt hinaus und laſſe dieſen Apoſtel mit edlem Gerſtenſaft füllen, auf daß wir mit unſern Ritterhumpen anſtoßen können auf Deine Preiskrönung und unſere Freundſchaft!“
Hellmuth hatte bei den letzten Worten den großen Krug er⸗ griffen, und unwillkürlich lächelnd, nahm Willy aus der Hand des Freundes, um dem Verlangen des Letzteren nachzugeben.
„So haſt Du das Alles ſchon gewußt?“ fragte er, als er die Magd mit dem Kruge fortgeſchickt hatte.„Dann muß es ja Stadtbekannt ſein—“
„Halt— keine voreiligen Schlüſſe gezogen! Stadtbekannt iſt es nicht, und was ich weiß, das erfuhr ich von einer alten Frau, die inzwiſchen das Zeitliche geſegnet hat.“
„So weißt Du auch, wer mein Vater iſt?“
„Keine Idee,“ erwiderte Hellmuth achſelzuckend.„Es intereſ⸗ firt mich auch nicht im Entfernteſten. Aber wer hat Dir das Liedchen vorgeſungen?“
„Baron von Oſthofen war vorhin bei mir—
„Der alte Majoratsherr?“
„Nein, ſein Sohn.“
„So? Dieſer Windbeutel? Der ſollte vor ſeiner eigenen Thur kehren!“
„Und meine Mutter weicht auch meinen Fragen aus.“
„Das iſt ſehr vernünftig von ihr,“ nickte Hellmuth„und Du ſollſt Deiner Mutter keine Vorwürfe machen! Ob ſie unn ſelbſt gefehlt, oder ob ſie verführt und betrogen wurde, was
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