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geruht hätte. Sein Vater war im Zuchthauſe geſtorben, und geint Mutter hatte im Delirium des Sauferwahnſinns auf der Straße geendet,— was konnte er dafür? Auf ihn fiel der Fluch zuruck, den Sohn ſolcher Eltern duldete man in der Geſellſchaft nicht, man ſtieß ihn aus, und wurde er, was er geworden iſt, ein genialer Vagabund. Und doch, wie oft ſaß ich ihm gegenüber und lauſchte mit fieberhafter Spannung ſeinen intereſſanten Mit⸗ heilungen, und wie oft, wenn er der Verachtung, die er gegen die geſammte Menſchheit im Herzen trug, in ſeiner derben Weiſe Luft machte, ſagte ich mir, ſo ſchlimm, wie er ſie ſchildere, könnten die Menſchen nimmermehr ſein!. Und nun werde ich's an mir felbſt erfahren,— ſchon der Gedanke daran iſt entſetzlich!“
Frau Magdalena legte ihre Händ auf die Schulter des Sohnes, und Thränen ſchimmerten in ihren Augen.
„So darfſt Du nicht reden und nicht denken,“ ſagte ſie mit bewegter Stimme,„ich ſage Dir noch einmal, ſelbſt iſt der Mann, und wer Dich verachtet, den verachte wieder. Wer ſich eine hohe, evorzugte Stellung erringen will, der muß ſich darauf gefaßt nachen, auf dieſem Pfade Dornen und Steine zu finden, der Kampf um's Daſein wird Keinem leicht gemacht. Wenn Robert Auerbach behauptet, die Geſellſchaft habe ihn der Sünden ſeiner Eitern wegen ausgeſtoßen, ſo iſt das auch nichts weiter, als eine Entſchuldigung, mit der er ſeine Verirrungen rechtfertigen will. Der ernſte, ſtrebſame Mann erzwingt ſich die Anerkennung, die man ihm verſagen will, und das wirſt Du auch thun. Was ich gelitten und erduldet habe Deinetwegen, das kann ich mit Worten nicht ſchildern, ich hab's getragen, hab's vergeben und vergeſſen, nun reiße Du die alten, vernarbten Wunden nicht wieder auf, raube mir die Ruhe nicht, die ich ſo theuer mir erkauft habe.“
Willy hatte das Haupt erhoben, ein halb trauriger, halb trotziger Zug umzuckte die feſt aufeinander gepreßten Lippen.
Trage ich den Namen meines Vaters 2“ fragte er.
„Nein,“ erwiderte die Mutter, tief aufſeufzend,„Verhältniſſe, die ich vielleicht ſpäter einmal Dir berichten werde, zwangen mich, Dir meinen eignen Namen zu geben.“
„So bin ich alſo—“ „Sprich das Wort nicht aus!“ fiel Frau Magdalena dem
leidenſchaftlich aufwallenden Jüngling in die Rede:„Du biſt mein


